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Singt von Liebe und Leidenschaft: Roland Bliesener. Foto: Roller
Singt von Liebe und Leidenschaft: Roland Bliesener. Foto: Roller
08.02.2018

Roland Bliesener im Folkclub Prisma: Lieder mit viel Hintersinn

Pforzheim. „Bitte nicht klatschen, wenn ein Lied vorbei ist“, sagt Roland Bliesener am Dienstagabend, während er schwarze, stark nach Lavendelöl riechende Schlafbrillen an seine Zuhörer verteilt. Drei Lieder lang soll das Publikum im Keller des Pforzheimer Gasometers das Gehörte auf sich wirken lassen, sich einzig und allein auf die Musik konzentrieren, ganz ohne Ablenkungen oder Störungen.

Bei seinem Konzert im Folkclub Prisma spielt der aus Pforzheim stammende Liedermacher vor allem eigene Stücke. Lieder mit eingängigen Melodien und leicht verständlichen Texten, die dennoch weit mehr sind als einfach gestrickte, auf ihren Unterhaltungswert reduzierte Popmusik. Es geht um Gefühle, um Liebe, um Leidenschaft. Es geht um die Zeit, in der die „Rassler“ mit ihren genagelten Schuhen noch in Pforzheim über das Kopfsteinpflaster wanderten. Es geht um die Eigenheiten von Männern, um die Schönheit des Schwarzwalds und es geht darum, dass Rückschläge manchmal halb so wild sind. Seine Songs sind ruhig, mal melancholisch, mal humorvoll, mal sozialkritisch, aber nie ohne Hintersinn. Definitiv keine Musik, bei der das Publikum mitklatschen oder mitsingen kann. Bei Bliesener ist Zuhören angesagt. Und mitmachen: Der Musiker verteilt Plastik-Strohhalme im Publikum, die die Zuhörer quer in den Mund nehmen sollen. Die dabei entstehende Mimik sorgt von ganz allein dafür, dass die Backenmuskulatur an das Gehirn meldet: „Dieser Mensch hat gute Laune“, sagt Bliesener.

Er muss es wissen: Neben seiner Tätigkeit als Künstler studiert er Psychologie und steht kurz vor seinem Abschluss. In seiner Karriere hat er schon als Begleitmusiker für Größen der Neuen Deutschen Welle wie Hubert Kah, Peter Schilling oder Markus gespielt, mit seiner Coverband „Knutschfleck“ auf unzähligen Bühnen gestanden.

Dass er die Bühne ganz alleine ausfüllen kann, ohne große Effekte, mit seinen eigenen, selbst geschriebenen Liedern, beweist er bei seinem Auftritt im Folkclub Prisma. Während er singt, begleitet er sich selbst auf seinem roten Keyboard, langt mal kräftig in die Tasten und streicht mal sanft darüber. Seine Stimme ist kräftig, klingt erdig und warm. Wenn es gerade keine Schlafbrille trägt, spendet das Publikum immer wieder viel Applaus und verlangt am Ende des gut zweistündigen Konzertabends eine Zugabe.