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Der Weststadtkantorei Pforzheim und der Wildbader Kantorei gelingt eine stimmungsvolle Aufführung von Dvoráks D-Dur-Messe.  Molnar
Der Weststadtkantorei Pforzheim und der Wildbader Kantorei gelingt eine stimmungsvolle Aufführung von Dvoráks D-Dur-Messe. Molnar
28.03.2017

Romantische Musik für Vokalsolisten, Chor und Orgel in der Christuskirche

Viel Publikum sitzt am Sonntagabend nicht in der Brötzinger Christuskirche. Das schöne Wetter könnte manche davon abgehalten haben, sich die Messe D-Dur von Antonín Dvorák anzuhören – einem Komponisten, von dem sonst eher weltliche Werke zu hören sind.

Seine Messe ist ein ungemein liebliches und unbeschwertes Stück im sakralen Gewand, das die Weststadtkantorei Pforzheim zusammen mit der Wildbader Kantorei unter dem Dirigat von Susanne Fuierer ansprechend zu Gehör bringt. Von der Messe existiert auch eine Orchesterfassung. Die Musiker haben sich aber für die Originalfassung von 1887 entschieden, die neben dem Chor ein Solistenquartett sowie eine schlichte Begleitung an der Orgel vorsieht, die Kantorin Karen Kirschenbauer übernimmt.

Die Solisten im Fokus

Aber zunächst erklingen weitere romantische Werke, bei denen die Vokalsolisten auf der Empore einzeln in Erscheinung treten. Am Anfang die Altistin Gabriele Grund, die das getragene Lied „Sehet, welch eine Liebe“ aus den „Sechs religiösen Gesängen“ von Josef Gabriel Rheinberger fließend weich singt. Durch den Hall ist der aber leider bloß schwer zu verstehen. Beim zweiten Stück aus dem Zyklus, „Ich bin des Herrn“, gelingt dies – auch angesichts lichterer Orgelbegleitung – besser, Bass-Bariton Marc Hagmaier präsentiert das Werk mit jauchzender Freude.

Von pastoraler Schönheit ist „Gott ist mein Hirte“ aus Dvořáks „Biblischen Liedern“, das dem kurzfristig eingesprungenen Tenor Rüdiger Husemeyer mit großer Zartheit und schönen Haltetönen gelingt. Ausdrucksvoll auch die Sopranistin Simone Unger-Krystek, die dem Tenor genauso behutsam und schlank folgt – bei dem Lied „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ von Dvorák.

Ein Solo hat auch die Organistin Karen Kirschenbauer, die César Francks Choral a-Moll aus „Trois chorals pour grand orgue“ mit Kraft und meditativer Ruhe versieht. Gerade der leise, etwas wehmütige Mittelteil strahlt eine besondere Stimmung aus, schön zudem der helle Schlussakkord. Hoffnungsvoll klingt auch die D-Dur-Messe von Dvorák aus, bei der besonders die Wechsel zwischen Chor und Solisten ein harmonisches Klangbild ergeben. Mit einem gleichmäßig langsamen „Kyrie“ leitet der Chor das sechsteilige Werk ein, feinfühlig auch das „Christe eleison“ der Solisten. Lebhafter wird es beim „Gloria“, kontrastvoll beim „Credo“.

Nicht immer ganz stimmig sind die polyphonen Passagen oder Einsätze des Chors, die von der Dirigentin vielleicht etwas zupackender hätten sein können. Im Gesamten aber eine eindrucksvolle Aufführung mit viel Applaus.