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Liebevolles Geigenspiel: Laurent Albrecht Breuninger begeistert mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester unter der Leitung von Timo Handschuh. Ketterl
Liebevolles Geigenspiel: Laurent Albrecht Breuninger begeistert mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester unter der Leitung von Timo Handschuh. Ketterl
10.10.2017

Romanzen mit Zugaben: Auftakt der Saison des Kammerorchesters im CongressCentrum

Mit virtuoser Spieltechnik begeisterte am Sonntag der Geiger Laurent Albrecht Breuninger das Publikum beim Konzert „Romanzen“ im gut besuchten CongressCentrum Pforzheim (CCP).

Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim musizierte unter Chefdirigent Timo Handschuh, der sich über den gelungenen Start in die neue Spielzeit freute.

Gute-Laune-Klänge

Quirlig und bewegt ging es los mit dem Klassikklang der guten Laune von Joseph Haydn. Bei dessen „Feuersinfonie“ zu Konzertbeginn flatterten die Streicher im Presto um die Wette. Was für ein flinker musikalischer Spaß! Dirigent Timo Handschuh ließ die dynamischen Gegensätze von Laut und Leise überdeutlich gestalten, so dass der feurige Einstieg, flankiert von volltönigen, warnenden Hörnern, durchaus dramatisch geglückt war: Bühne frei für den Solisten.

Dieser Abend gehörte Laurent Albrecht Breuninger. Er interpretierte das im heutigen Konzertbetrieb selten gespielte Violinkonzert Nr. 6 in e-Moll von Rodolphe Kreutzer (1766–1831). Kreutzer war ein französischer, in Europa hoch angesehener Violinist. Beethoven widmete ihm seine berühmte Sonate. Kreutzer schrieb unter anderem 40 Etüden, die bis heute zum Standard im Violinen-Studium gehören, und jenes Violinkonzert Nr. 6 ist vollgepackt mit vielen spieltechnischen Raffinessen, denen sich Breuninger, der selbst als Professor an der Musikhochschule Karlsruhe unterrichtet, mit viel Hingabe gewidmet hat.

Da war der mutige, starke Ausdruck in den hohen Geigentönen, die in sehr hoher Lage zu greifen sind. Da war das in Oktaven verstärkte Spiel, die vielen Triller, blitzschnelle Läufe im hüpfenden Sprungbogen. Laurent Albrecht Breuninger – der sympathische Solist im legeren weißen Hemd mit schwarzem Knopfsaum – meisterte dies alles wunderbar, durchaus auch kraftvoll und selbstbewusst. Da durfte man staunen.

Insgesamt jedoch – und das ist ähnlich wie bei vielen Paganini-Capricen ein Schwachpunkt der virtuosen Stücke – wirkte die Geige wenig liebevoll. Sie beeindruckte zwar, bliebt aber gefühlsarm – trotz einem kompositorisch bemühten, sehr schönen melodiösen Seitenthema. Der Interpret konnte gegbei dieseremotionalenSchräglage nicht viel geraderücken.

Erst nach der Konzertpause: Da machte Breuninger in puncto „liebevolles Geigenspiel“ alles wieder wett. Mit geschmeidigen Doppelgriffen gab er in der Romanze für Violine und Orchester in G-Dur von Ludwig van Beethoven sehr schön die in sich ruhende Zufriedenheit der Musik wider. In der weiteren Beethoven-Romanze in F-Dur überzeugte er mit federleichtem Spiel und leisen, zarten Tönen. Die Herzen der Zuhörer erreichte Breuninger nochmals umso mehr mit seiner Zugabe aus der Bach-Partita h-Moll. Diese Musik, für Violine allein, wirkte rein,

ehrlich, aufrichtig. Der gespürte Gegensatz zum spieltechnischen Aufgebot, das man vor der Pause zu hören bekommen hatte, war ein klasse Konzerterlebnis.

Mit einem harmonisch runden Orchesterklang gab das Südwestdeutsche Kammerorchester zum Programmende eine perfekte Mozart-Sinfonie, die in B-Dur (KV 319), von Mozart als 23-Jähriger in Salzburg komponiert. Insbesondere der wiegende Charakter im Menuett und die schnellen Geigen im Finale waren außerordentlich gut ausgestaltet. Dafür liebt das Publikum das Orchester.

Bleistifte und neue Homepage

Zum Abschied erläuterte Timo Handschuh per Mikro, dass hiermit die Saison 2017/18 begonnen habe. Es gibt ein neues Programm, eine neue Homepage und neue Werbemittel, nämlich kleine Bleistifte. Und weil man mit solch unprätentiösen Abkündigungen einen Konzertabend unmöglich beenden könnte, gab es zum Abschluss abermals eine Kreutzer-Zugabe mit Orchester und Breuninger. Wie gesagt: Der Abend gehörte dem Solisten.