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Da gibt es ganz viel Liebe: Die Heldin (Mitte) mit ihrem Vater Mattis (Timon Schleheck) und ihrer Mutter Lovis (Anne-Kathrin Lipps).  Foto: Haymann 

„Ronja Räubertochter“ feiert Premiere am Theater Pforzheim

Pforzheim. Voller Tatendrang und Entdeckungswillen erkundet Ronja die Welt. Sie ist ein neugieriges Mädchen, aufgeweckt, mutig, ohne Angst. Im Pforzheimer Stadttheater kann man nun bei ihren Abenteuern zuschauen. Markus Löchner hat Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ auf Basis einer Bearbeitung von Christian Schönfelder als kurzweiliges, fantasievolles Schauspiel inszeniert, das sich in erster Linie an Kinder, Familien und Schulklassen richtet.

Neben dem bunten, aufwendig gestalteten Bühnenbild (Jörg Brombacher) und den liebevollen Kostümen (Nicola Stahl) ist es vor allem die schauspielerische Leistung, die überzeugt. Vivien Andrée verkörpert die Ronja selbstbewusst und mit viel Energie: Sie schlägt Räder, rennt und springt über die Bühne. Die hat sich in eine bunte Fantasiewelt verwandelt, in der es steinfarbene Graugnome und Rumpelwichte mit grünen Gewändern und weißen, zerzausten Haaren gibt, zudem bedrohliche Wilddruden mit langen, schwarzen Umhängen. Das Domizil der Räuberbande besteht aus schroffen Felsen und den hohen Mauern einer altertümlichen Burg. Sie ist Dreh- und Angelpunkt der Handlung.

Ronja Räubertochter feiert Premiere am Theater Pforzheim
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Ronja Räubertochter feiert Premiere am Theater Pforzheim

Im Mittelpunkt steht Ronja, die über Abgründe springt, sich aufmacht in den Wald – und im Dach einer Höhle steckenbleibt. Eine ausweglose Situation, aus der sie Birk (Kai Friebus) rettet. Er ist der Sohn von Borka (Lars Fabian), einem Räuber, der nebenan eingezogen ist – sehr zum Missfallen von Mattis (Timon Schleheck), Ronjas Vater, der mit Borka auf Kriegsfuß steht. Auch die beiden Kinder können sich zunächst nicht leiden. Doch nachdem er sie gerettet hat, entsteht eine Freundschaft: Er nennt sie „Schwester“, sie ihn „Bruder“. Immer öfter verbringen sie Zeit miteinander. Heimlich, unbemerkt von ihren feindseligen Familien. Das ändert sich, als Mattis auf Birk trifft und ihn gefangennimmt. Der Konflikt tritt offen zutage: Mattis will keine Tochter mehr haben, Ronja zieht mit Birk in den Wald. Schleheck macht aus Mattis einen rauen Gesellen. Einen, der laut ist und gerne poltert. Aber er verleiht ihm auch eine andere Seite: eine gefühlvolle und weichherzige. Seine Tochter ist alles für ihn.

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Voller Energie und in Aktion auf der Bühne: Ronja tanzt mit den steinfarbenen Graugnomen. Foto: Haymann

Als Mutter Lovis ist Anne-Kathrin Lipps liebevoll, fürsorglich und rationaler Ruhepunkt in der ansonsten eher hektisch und impulsiv agierenden Räuberbande. Als Ronja und Birk harmonieren Andrée und Friebus hervorragend. Ihr Spiel ist unverkrampft und zwanglos. Man nimmt ihnen die Freundschaft ab. Für Erwachsene mag das Herumgehopse, Gesinge und Geschreie zwar stellenweise etwas überdreht wirken, aber Kinder dürften das anders sehen.

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Neben dem aufwendig gestalteten Bühnenbild und den liebevollen Kostümen überzeugt vor allem die schauspielerische Leistung: Ronja (Vivien Andrée) steht in einem mystischen Wald. In der Höhle neben ihr wohnen Rumpelwichte. Foto: Haymann

Dass die Musik aus dem Lautsprecher kommt, stört nicht, weil sie allenfalls zur Auflockerung dient. Das flexible Bühnenbild erlaubt schnelle Orts- und Szenenwechsel. Wenn sich der Vorhang senkt, geht die Handlung vor der Bühne weiter. So bleibt sie ständig im Fluss, ohne Unterbrechungen. Nicht nur deswegen wirkt die Inszenierung trotz einer Dauer von fast anderthalb Stunden recht kurzweilig, sondern auch wegen der stringenten Erzählweise, die auf unnötige Erklärungen und ausufernde Dialoge verzichtet. Am Ende wird übrigens alles gut: Ronjas Vater ändert seine Meinung und akzeptiert den Wunsch seiner Tochter, Zeit mit Birk zu verbringen. Die Botschaft: Freundschaft ist besser als Feindschaft, Gemeinschaft besser als Egoismus.

nfos Buchungen von Kindergärten und Schulen gibt es bei Johannes Mall unter Telefon (0 72 31) 39 29 69. Vorstellungen im freien Verkauf am 5. Dezember um 11 und 13 Uhr sowie am 19 Dezember um 11 Uhr.