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Rasant geht es bei vielen Opernaufführungen in Bad Wildbad zu, hier ein Bild der Premiere Rossini-Oper „L’equivoco stravagante“ im vergangenen Jahr.  Pfeiffer
Rasant geht es bei vielen Opernaufführungen in Bad Wildbad zu, hier ein Bild der Premiere Rossini-Oper „L’equivoco stravagante“ im vergangenen Jahr. Pfeiffer
14.03.2019

Rossini-Festival in Bad Wildbad wird ganz venezianisch

Bad Wildbad. Hier gibt es so viel „neuen“ Rossini zu hören wie sonst nirgendwo. Verspricht jedenfalls Intendant und Regisseur Jochen Schönleber für das 31. Festival „Rossini in Wildbad“ von 11. bis 27. Juli. Denn neben der Oper „Corradino“, die in einer eigens erstellen Neuedition der römischen Uraufführung von 1821 erklingt, und einer ebenfalls ungewöhnlichen Fassung von „Tancredi“ ist es vor allem das Festkonzert zum 30-jährigen Bestehen der Deutschen Rossini Gesellschaft am 25. Juli, das mit Ungehörtem aufwartet. „Für diesen Anlass hat Reto Müller in seinen Archiven gestöbert und wahre Schätze gehoben“, sagt Schönleber.

Was gibt’s Neues beim Festival?

Venedig ist Dreh- und Angelpunkt: etwa in der Oper „L‘accademia di musica – Die musikalische Akademie“ von Johan Simon Mayr, 1799 für die Lagunenstadt verfasst und teilweise venezianisch gesungen, dirigiert von einem waschechten Venezianer, Lorenzo Regazzo. Rossinis Welterfolg „Trancredi“ wurde am 6. Februar 1813 in Teatro La Fenice uraufgeführt. Und nach der Komödie des Venezianers Carlo Goldoni entstand die Salonoper „Die drei Buckeligen – I tre gobbi“, 1749 in Venedig uraufgeführt. Auch „Romilda e Costanza“, die erste italienische Oper Giacomo Meyerbeers, war ursprünglich für Venedig geplant, wurde dann aber 1917 in Padua aus der Taufe gehoben. Lediglich Schönlebers Lieblingsoper „Corradino, Eisenherz und Schönheit oder Matilde di Shabran“ – „die muss man gesehen haben“ – fällt aus dem Rahmen: Die Hauptproduktion des Festivals, 24. Februar 1821 im Teatro Apollo in Rom uraufgeführt, wird nach fast 200 Jahren erstmals wieder im Original in Deutschland erklingen.

Wer singt, spielt, inszeniert?

Gerade die Besetzung des „Corradino“ hat es Schönleber angetan: Mit Alasdair Kent in der Titelrolle kommt ein weltweit bestens beschäftigter Tenor nach Bad Wildbad, und mit Stefania Bonfadelli widmet sich eine vor zehn Jahren noch als Sängerin hier zu erlebende Regisseurin dem lächerlich-tragischen Frauenhasser. Auch der Regisseur der „Musikakademie“, Lorenzo Ragazzo, war im Staatsbad schon als Sänger zu erleben. Und mit Antonino Fogliani kommt für „Tancredi“ ein international beschäftigter Dirigent, „der sich die Probentermine aus den Rippen schneiden muss“, sagt Schönleber. Bei den Solisten setzt der Intendant auch stets auf junge Talente: „Ein schöne Aufgabe, vor allem wenn man dann mitverfolgen kann, wie sie Karriere machen.“ Der Gorecki Kammerchor und das Passionart Orchester kommen aus Krakau.

Welche Tickets gibt es noch?

Die Aufführungen von „Tancredi“ im Königlichen Kurtheater sind bis auf den Termin am Donnerstag, 25. Juli, 11.15 Uhr, bereits ausverkauft. Ebenfalls ausgebucht sind die drei Belcanto-Konzerte „Rossini & Co“. Wer den gefeierten Festivalchor aus Krakau am 24. Juli in der kleinen Englischen Kirche im Kurpark erleben will, muss sich sputen: Noch gibt es 14 Tickets. Auch das beliebte Sinfoniekonzert „Ganz oben!“ auf dem Turm des Baumwipfelpfads am 11. Juli – zu dem auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl als Schirmherr erwartet wird – ist schon bestens verkauft. Die „Musikakademie“ im Kurtheater am 12., 20. und 26. Juli verbucht ebenfalls eine rege Ticketnachfrage, und nur noch Restplätze gib es bei einer von drei Aufführungen der „Drei Buckligen“ am 13., 19. und 27. Juli im Kurtheater. Bei den Veranstaltungen in der Trinkhalle, unter anderem „Tancredi“, sind aufgrund der höheren Sitzplatzzahl noch ausreichend Karten vorhanden. 65 Prozent der Tickets, freut sich Wildbads Bürgermeister Klaus Mack, seien aufgrund des frühen Vorverkaufstarts bereits weg: „Ein tolles Ergebnis.“

Wie ist die Finanzlage?

Wie immer eng: Die Stadt hat ihren Etat auf 135.000 Euro erhöht, der Landkreis gibt rund 27.000 Euro. Der Etat vom Jubiläumsfestival 2018 mit 724 000 Euro wird in diesem Jahr geringer ausfallen, zumal weniger Stiftungs- und Landesgelder fließen. „Wir sind mehr als jedes andere Festival auf den Ticketverkauf angewiesen“, sagt Jochen Schönleber: „Fast 50 Prozent unseres Etats machen wir an der Abendkasse.“

Was gibt es noch zu erleben?

Ein großer Spaß ist das Fußballspiel zwischen den Heroen des Festivals, unter anderem Dirigent Fogliani. In diesem Jahr am 22. Juli, 19 Uhr, auf dem Fußballplatz. „Hoffentlich ohne Verletzte“, wünscht sich Schönleber.