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Ruth Leuwerik in dem Film „Das Haus in Montevideo“ von 1963 mit Heinz Rühmann an ihrer Seite.   wdr
Ruth Leuwerik in dem Film „Das Haus in Montevideo“ von 1963 mit Heinz Rühmann an ihrer Seite. wdr
Die frühere Schauspielerin Ruth Leuwerik im Jahr 2004 vor Fotografien aus ihren Filmen.  Ossinger
Die frühere Schauspielerin Ruth Leuwerik im Jahr 2004 vor Fotografien aus ihren Filmen. Ossinger
13.01.2016

Ruth Leuwerik im Alter von 91 Jahren in München verstorben

Für das Kinopublikum der Nachkriegsjahre und Wirtschaftswunderzeit war Ruth Leuwerik der Inbegriff der „idealen Frau“: Selbstbewusst, eigenständig und voller Herzenswärme waren die Charaktere, mit denen sie auf der Leinwand zu sehen war. „Die Trapp-Familie“ mit ihr als angehender Nonne, die sich um die Kinder eines adeligen Witwers kümmert und mit Gesang fasziniert, war ein Riesenerfolg, aber auch Filme wie „Königliche Hoheit“ oder „Königin Luise“ ernteten viel Lob.

Mit starken Frauenrollen wurde die Film- und Theaterschauspielerin in den 50er-Jahren zum Vorbild einer Generation. Am Dienstag ist Leuwerik, die in München lebte, im Alter von 91 Jahren gestorben.

„Die ideale Frau“ lautete der Titel eines Filmes von 1959, in dem Leuwerik als Bürgermeisterin auftrat – für damalige Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich. Auch als Fotomodell, Unternehmerin, Ärztin, Opernsängerin oder Lehrerin stand sie vor der Kamera.

In ihren zahlreichen Rollen als beruflich erfolgreiche Frau war sie weniger die leidenschaftliche Geliebte als vielmehr eine treue Kameradin, die ihre Filmmänner unterstützte, ohne sie herauszufordern. Und die trotz aller Liebe unabhängig blieb und nicht zum Anhängsel eines Mannes mutierte.

„Die Frauen bilden das Gros des Filmpublikums. Und diese Frauen können sich mit den Problemen, die ich auf der Leinwand habe, identifizieren“, sagte die Darstellerin 1962 auf der Höhe ihres Erfolgs. Eine Femme fatale wollte sie aber auch nicht sein, wie sie selbst einmal bekannte.

Geboren wurde Leuwerik am 23. April 1924 in Essen, als Tochter eines Kaufmanns. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie dienstverpflichtet als Fräserin. Danach arbeitete sie als Stenotypistin. Schon damals reizte sie das Schauspiel. Sie nahm Privatunterricht und erhielt 1947 ihr erstes Engagement.

Über Bremen und Lübeck kam sie 1949 an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo sie bis 1953 blieb. Besonderen Erfolg hatte sie in Jean Anouilhs „Eurydike“, die sie auch 1955 am Düsseldorfer Schauspielhaus verkörperte.

1950 startete Leuwerik ihre Filmkarriere – bei „13 unter einem Hut“. Eine turbulente Komödie, allerdings nicht für Leuwerik. „Ich spielte unter zwölf Komikern die 13. Nicht-Komikerin“, sagte sie später in einem Interview. Danach kamen erst mal keine weiteren Angebote, sehr zu ihrer Verwunderung. Nach einiger Zeit habe sie jedoch mitbekommen, was in der Filmbranche über sie geredet wurde: „Die Kleine ist zwar begabt, aber sie ist absolut unfotogen.“

Wirklich? Thomas Mann war von ihrer Schauspielkunst ebenso angetan wie von ihrem Aussehen und lobte sie als „Frau von beträchtlicher Ansehnlichkeit“. Auch den Verantwortlichen in der Filmbranche dämmerte bald, dass Leuwerik doch einiges zu bieten hatte. 1953 gelang der attraktiven Endzwanzigerin der Durchbruch, wirkte sie doch gleich an vier Produktionen mit, darunter auch „Königliche Hoheit“ nach einem Roman von Thomas Mann.

Mit Dieter Borsche bildete sie das Filmtraumpaar jener Tage, neben etwa Maria Schell und O.W. Fischer oder Romy Schneider und Karlheinz Böhm aus den „Sissi“-Filmen. Kaum eine Schauspielerin war damals so oft auf den Titelseiten der Zeitschriften zu sehen wie Ruth Leuwerik. Nur wenige Jahrzehnte währte ihre Filmkarriere, in etwa 30 Streifen spielte sie mit: Komödien, Melodramen und Literaturverfilmungen.

Zu ihrem 80. Geburtstag überreichte ihr der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude die Medaille „München leuchtet“. Ihre Leistung fasste er so zusammen: „Sie hat eine Brücke zum Herzen aller geschlagen.“