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Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, hier beim Konzert in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Schwebelstraße, ist den Stadträten lieb und teuer.
Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, hier beim Konzert in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Schwebelstraße, ist den Stadträten lieb und teuer.
Überraschung: Timo Handschuh ist am Anfang als Organist zu hören. Foto: Ketterl
Überraschung: Timo Handschuh ist am Anfang als Organist zu hören. Foto: Ketterl
21.02.2017

SWDKO begeistert beim Konzert zum Reformationsjubiläum.

Pforzheim. Luther hätte seine Freude gehabt, sah er doch die Musik als göttliches Geschenk an. Und auch Pfarrer Andreas Schwarz freut sich über den Besuch des Südwestdeutschen Kammerorchesters (SWDKO) in seiner kleinen, Evangelisch-Lutherischen Kirche an der Schwebelstraße. „Wir betrachten es als Auszeichnung“, sagt er bei der Begrüßung. Mit 250 Gästen ist das Konzert zum Reformationsjubiläum restlos belegt. Für das Südwestdeutsche ist es eine Premiere, vielleicht sogar eine Entdeckung. Denn die Akustik der Kirche ist ausgesprochen gut.

Zum Einstieg in den Abend hat sich Chefdirigent Timo Handschuh etwas Besonderes ausgedacht: Johann Sebastian Bachs Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ aus der Kantate BWV 80, der auf dem gleichnamigen Kirchenlied von Martin Luther basiert. Getragen bringen die Streicher die schlichte Melodie zum Klingen – ohne Dirigenten. Denn der befindet sich bereits auf der Empore – und setzt solistisch an der Orgel ein. Eine schöne Überraschung, improvisiert er doch einige Choralvariationen, bevor er das Stück gemeinsam mit dem Orchester ausklingen lässt.

Unten am Cembalo geht es weiter – mit Georg Friedrich Händels Concerto Grosso d-Moll op. 6 Nr. 10. Schön hierbei die Betonungen im französischen Ouvertüren-Satz und das wetteifernde Spiel von Concertino-Gruppe und Tutti in den Folgesätzen.

Weiter geht es mit Johann Sebastian Bachs Violinkonzert a-Moll mit Konzertmeister Michael Ewers als Solisten. In den Außensätzen ist vorwärtsdrängende Leidenschaft angesagt; Ewers fordert das Orchester geradezu heraus. Der langsame Satz ist voller Gefühl. Während die Streicher auf ihrem tiefen Wiegerhythmus beharren, entfaltet der Solist einen zauberhaft süßlichen Gesang. Viel schwermütige Musik steht auf dem Programm, so auch mit dem umfangreichen Adagio aus dem Streichquintett F-Dur von Anton Bruckner.

Aus der breiten Einleitung entwickelt sich ein Klanggeflecht von Einzelstimmen, das dicht und doch herausgelöst aus der Orchesterfülle wirkt. Nach dynamischen Steigerungen sind es zum Beispiel die ersten Violinen, die sehnsüchtig seufzen, ausdrucksvoll auch die Akzente des Violen-Paars. Der überschwänglichen Romanze von Robert Fuchs folgt – zum Glück – noch das schwungvolle Finale alla Zingarese aus dessen Streicherserenade e-Moll, bei dem das Orchester die funkelnden Farben mit viel Elan versieht – und das Publikum begeistert. Wie das SWDKO beginnt, so hört es auch auf: mit Bach und seinem berühmten Air aus der Suite D-Dur als Zugabe.