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Einfühlsamer Solist: Vasco Dantas spielt Mozarts Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur.  Foto: Moritz 

SWDKO spielt Werke des jungen Mozart im gut besuchten CCP

Pforzheim. Man merkt es deutlich: Die Musikfreunde lechzen danach, Konzerte wieder live erleben zu können. Bei den Abonnementkonzerten des Südwestdeutschen Kammerorchesters im CongressCentrum Pforzheim vor der Sommerpause füllten sie die coronakonform zugelassenen Plätze sehr gut. Das Programm „Mozart pur!“ wurde zwei Mal, am Nachmittag und am Abend, aufgeführt und für eine CD-Veröffentlichung aufgezeichnet. Das SWDKO unter Leitung von Douglas Bostock und der junge, aber schon mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Klaviersolist Vasco Dantas aus Portugal spielten Werke von Mozart, die dieser in noch jugendlichem Alter komponiert hatte.

Den Auftakt machte die Ouvertüre aus „Lucio Silla“ KV 135, geschrieben 1772 im Alter von 16 Jahren. Das Libretto der Opera Seria handelt von dem römischen Diktator Lucio Silla und dessen historisch verbürgtem Rücktritt und vereint eine Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren, emotionalen und atmosphärischen Elementen, die Mozart musikalisch vielgestaltig umsetzte. Die Ouvertüre ist eine dreiteilige Mini-Version der Oper und fasst kontrast- und abwechslungsreich die gehaltvolle Gemengelage des Inhalts zusammen.

Das SWDKO spielte gut gelaunt und disponiert, konzentriert und transparent mit viel Gefühl für Dynamik und Tempowechsel, wobei Bostock charmant, aber bestimmt die Fäden in der Hand und das Augenmerk auf den fein abgestimmten Zusammenklang gerichtet hielt, ebenso auf das kommunikative Zusammenspiel mit dem Solisten im folgenden Stück.

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Mit Kompositionen des jungen Mozart verabschiedet sich das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Douglas Bostock in die Sommerpause. Foto: Moritz

Fünf Jahre nach „Lucio Silla“ komponierte Mozart sein Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur KV 271 für Louise-Victoire Noverre, verheiratete Jenamy, deren Name von zwei Biografen in „Jeunehomme“ verschlimmbessert wurde. Die Klaviervirtuosin war die Tochter eines mit ihm befreundeten Tänzers. Die drei Sätze beschreiben gänzlich unterschiedliche Stimmungslagen von heiter-verspielt über düster seufzend-sanft verschleiert bis temperamentvoll-tänzerisch und überraschen mit extravaganten kompositorischen Einfällen.

Der Klavierpart des damenhaft-eleganten Werkes ist gespickt mit spieltechnischen Schwierigkeiten. Vasco Dantas widmete sich den unzähligen zwitschernden Trillern, koketten Verzierungen und rasant perlenden Läufen mit einer fast lyrisch zu nennenden Leichtigkeit des Spiels bei dennoch genau definiertem Tastenanschlag. Die anspruchsvollen Solokadenzen gestaltete er hochvirtuos bei gleichzeitig großer Feinfühligkeit.

Das Publikum war begeistert und spendete nicht enden wollenden Applaus und Bravo-Rufe, der Solist dankte mit einem „Fado“ aus seiner portugiesischen Heimat.

Zum Abschluss erklang die Sinfonie C-Dur KV 338, geschrieben 1780 im Alter von 24 Jahren. Sie lebt von starken Kontrasten zwischen auftrumpfenden Einsätzen von Bläsern und Pauke, pastoralen Abschnitten, nervös dahineilenden Läufen, lyrisch-sängerischen und melancholischen Motiven, insgesamt ein funkelndes Mosaik aus hellen und dunklen Steinen. Mit einem kräftigen Schlussapplaus wurde das SWDKO in die Sommerpause verabschiedet.