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Gestalten einen sehr atmosphärischen Abend: Matthias Bublath, Stefanie Boltz und Sven Faller (von links). Foto: Müller
Gestalten einen sehr atmosphärischen Abend: Matthias Bublath, Stefanie Boltz und Sven Faller (von links). Foto: Müller
17.10.2017

Sängerin Stefanie Boltz gastiert mit Band bei den Mühlhausener Musiktagen

Tiefenbronn-Mühlhausen. Mit den Mühlhausener Musiktagen hat der örtliche Musikverein ein echtes Kleinod geschaffen, das seit 30 Jahren bestens gepflegt wird. „Die Idee beruht auf dem Gedanken, die Kultur auf dem Lande durch Musik verschiedenster Stilrichtungen zu bereichern“, sagt die Vorsitzende, Eva Schwenk, an diesem Samstagabend im ehemaligen Kollmar & Jourdan-Gebäude. Swing, Jazz und Folk waren schon im Jahr 1987 zu hören.

Zum Auftakt der diesjährigen Musiktage bewiesen die Veranstalter Improvisationstalent. Weil die angekündigte Jessica Gall kurzfristigst wegen Krankheit absagen musste, engagierten sie die Münchener Jazzsängerin Stefanie Boltz mit ihrer Band Sven Faller (Kontrabass) und Matthias Bublath (Piano). Ein hervorragender Ersatz. Im schwarzen Kleid betritt sie die Bühne, barfuß und erdverbunden. Mit den ersten Titeln setzen die drei Musiker den musikalischen Rahmen, zwischen Jazzballade und Acoustic Pop. Meist spielt die Band Eigenkompositionen – aus Fallers Feder oder von Boltz geschrieben. Sie habe sich dazu entschlossen, in Mühlhausen einige Nummern ihres erst im Januar erscheinenden, zweiten Albums zu präsentieren. „Neue Kompositionen, die wir bisher noch nicht auf die Bühne gebracht haben.“ Welturaufführungen verspricht die 31-Jährige dem aufmerksam lauschenden Publikum.

Und das wird belohnt mit einem stimmungsvollen, sehr atmosphärischen Abend. Die Musiker widmen sich dem Schönen. Faller sorgt immer wieder für entspannte Rhythmen, nutzt den Korpus seines Kontrabasses auch mal als Perkussionsinstrument, indem er verschiedene Stellen mit den Händen bearbeitet. Matthias Bublath, Sohn des einstigen ZDF-Chefwissenschaftlers und „Knoff Hoff“-Moderators Joachim Bublath, erzeugt in Nummern wie „Adorable Stupid Girls“ einen poppigen Wohlklang und lässt die Töne auf- und niederperlen, dass es den Ohren schmeichelt. Bei manchen Songs packt er die Melodica aus und schafft einen Sound, der an französische Chansons erinnert. Die Musiker glänzen immer wieder mit kurzen, knackigen Soli.

Titel wie „Stones Shape“ verkörpern eher melancholischen Blues. Boltz singt von der Liebe, von den Hürden und Stolperfallen, Höhen und Tiefen („Up & Down“). Es sind große Lieder über die kleinen Dinge im Leben. Ihre glasklare Stimme setzt Boltz, ehemaliges Mitglied der Acapella-Formation Slixs, sehr variantenreich ein – mal mit zärtlich-sparsamem Scat, mal dynamisch in zarte Höhen getrieben („April Skies“).

Die Kunst des Weglassens

Boltz und Faller haben ein gemeinsames Bandprojekt namens Le Bang Bang. Wie gut eingespielt sie sind, zeigen die beiden in ihrer minimalistisch-reduzierten Coverversion des Beatles-Klassikers „Here Comes The Sun“, sie üben sich in der Kunst des Weglassens: frei interpretiert, und getrieben durch den ganz eigenen Groove von Fallers virtuosem Bassspiel.

Auch wenn es manchmal an etwas Reibung und Rohheit fehlt: Wer die wunderbaren Songs des Trios gehört und zuvor den herrlichen Sonnenuntergang über den Höhen des Würmtals gesehen hat, kann zur schlichten Erkenntnis gelangen, dass diese Welt eigentlich doch ein schöner Ort ist.