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Fachsimpeln über Politik und Kultur: Oberbürgermeister Gerd Hager (von links), Joachim Rösch und Rainer Bartels. Foto: Ketterl
Lockere Stimmung vor der Saisoneröffnung im Foyer des Theaters. Foto: Ketterl
18.09.2015

Saisonstart im Theater Pforzheim: Erwartungsfrohe Blicke, schweißnasse Hände

Das Stadttheater Pforzheim startet mit Verdis „Nabucco“ in die neue Theatersaison - und das Publikum singt beim „Freiheitschor“ vielstimmig mit.

Bildergalerie: Gelungener Saisonstart im Theater Pforzheim mit Verdi-Oper

Ja, wenn Intendant Thomas Münstermann von der erleuchteten Bühne in die Gesichter der Premierengäste im dunklen Zuschauerrund hätte blicken können, dann wäre seine Annahme sicher bestätigt worden: In „erwartungsfrohe Augen“ hätte er geblickt, hätte sich an Menschen erfreut, die gespannt auf das Kommende warten. Eine Spannung, die sich – so Münstermann – auch im Ensemble breitmachte: Hier glänzende Augen – dort bleiche Gesichter und schweißnasse Hände. Denn bei der Produktion von Verdis berühmter Oper sind alle Mitarbeiter des Theaters dabei – und zwar nicht nur in ihren angestammten Funktionen in Werkstatt oder Verwaltung, sondern als Sänger im großen Gemeinschaftschor, als Tänzer und Statisten auf der Bühne. „Genau das ist es, was Theater so unverwechselbar macht“, sagt Münstermann. Als ein Ort, um Gemeinschaft, um Identität zu stiften. Und speziell diese Saisoneröffnung repräsentiere die Art und Weise, „wie wir uns vorstellen, für Sie Theater zu machen“, fast der neue Intendant sein Ziel zusammen.

Nach dem festlichen Rückblick auf 25 Jahre Theater am Waisenhausplatz am vergangenen Wochenende breche nun für das Theater Pforzheim eine neue Ära an, versichert auch Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen – im engen Miteinander der drei Sparten Musiktheater, Schauspiel und Ballett, in der engen Vernetzung mit der Stadt und der Region und im engen Austausch mit dem Publikum.

Eineinhalb Jahre, sagt Thomas Münstermann, habe er sich auf diesen Moment vorbereitet. Auf eine Eröffnungspremiere, auf einen Abend, der sicherlich vielen in Erinnerung bleiben wird.

Denn das Regie-Team Thomas Münstermann, Guido Markowitz, Alexander May und Caroline Stolz lässt Verdis bekannte Oper in suggestiven Bildern spielen, setzt auf dramatische Effekte und hohe Gesangskultur, auf intime Momente und große Massenszenen. Das lässt sich nicht nur am mit weit über 100 Sängerinnen und Sängern besetzten „Freiheitschor“ ablesen, der sich aus Mitgliedern verschiedener Chöre, aus Privatpersonen und den Haus-Chören zusammensetzt. Und auch dem feierlich gestimmten Publikum wird die Chance gegeben, in Verdis berühmtesten Opern-Chor im dritten Akt einzustimmen: „Va, pensiero, sull’ali dorate“ (Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen) erschallt vielstimmig im Großen Haus jene Klage der gefangenen Hebräer, die die verlorene Heimat herbeisehnen (eine ausführliche Besprechung der Inszenierung lesen Sie in der Montagsausgabe der PZ).

Schöne Premierenfeier

Und während bei der Premierenfeier noch gemeinsam mit der riesigen Sängerschar mit einem Gläschen Sekt auf die vielbejubelte Aufführung angestoßen wird, während Klaus Dusek und seine Jazzkollegen mit sanften Klängen unterhalten und das Publikum angeregt plaudert, naht bereits der Tag der nächsten Premiere: Heute um 20 Uhr wird die Spielzeit im Podium eröffnet mit der Aufführung von Wolfgang Herrndorfs beiden Stücken „Tschick“ und „Bilder deiner großen Liebe“.