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Interpretierte das ein oder andere Kabinettstückchen: Matthias Hautsch.  Foto: Frommer 
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FantasievollgestalteteFigurenander Bar: Raphael Mürle.  Foto: Frommer 

Saitenklang und Puppenspiel: Livemusik kombiniert mit Freilichtaufführung hinterm Figurentheater von Raphael Mürle

Pforzheim. Rasante Live-Musik und gekonnt in Szene gesetzte Puppen: Samstag- und Sonntagabend teilten sich Matthias Hautsch und Raphael Mürle die Freilichtbühne des Brötzinger Museumsareals. Knapp 60 Zuschauer wollten sich weder den Ausnahmegitarristen, noch den renommierten Puppenspieler entgehen lassen. Dazwischen wurde Monika Knödler, die nach 23 Jahren im Kulturamt in den Ruhestand geht, mit einem Blumenstrauß verabschiedet.

Mit dem Welthit „Classical Gas“ startete Matthias Hautsch seinen Auftritt. Den habe der US-Amerikaner Mason Williams „ursprünglich für ein ganzes Riesenorchester komponiert“, sagte Hautsch. Er selbst hätte aber „nur eine alte Holzkiste mit sechs Saiten“ dabei. Was dem rasend schnell vorgetragenen Instrumentalstück keinerlei Abbruch tat – und nicht ganz zutraf, wie beim nächsten Titel „Savoir vivre“ deutlich wurde: Bei dessen Intro griff Hautsch auf einen E-Bow zurück, mit dem sich der Klang der Saiten nahezu beliebig variieren lässt. Ein technisch anspruchsvoller Ragtime folgte, das der in Straubenhardt beheimatete Gitarrist mit einem Daumenpick spielte. So werde „der Blättleshalter-Finger frei“, ließ er das Publikum lächelnd wissen. Gegen Ende seines Solo-Sets setzte Hautsch bei Tommy Emmanuels perkussiv interpretiertem Kabinettstückchen „The Jolly Swagman“ einen Loop ein. Sein musikalischer Vortrag schloss mit kräftigem Beifall und Bravo-Rufen.

Nach kurzer Umbaupause standen Raphael Mürle und seine überaus fantasievoll gestalteten Puppen im Mittelpunkt der kleinen Bühne. Dabei ging es um Szenen in einer nur angedeuteten Bar, die auf den jeweiligen Charakter der Gäste – Marionetten oder Stabpuppen – zugeschnitten waren. Die Palette reichte vom säuselnden Udo Lindenberg bis zum fliegenden Rocker, vom zeitlosen Duett „Need Your Love So Bad“ zweier Raupen mit offenkundigem Soul-Feeling bis zum unverwüstlichen Hit „Lady Marmelade“, scheinbar dargeboten von einer Marionette mit der Gestalt einer dürren Gottesanbeterin und zwei überdimensionierten und klappbaren Heuschreckenbeinen. Wieder gab es ausgiebigen Applaus. Als Zugabe zeigten Mürle und Hautsch eine Reise in den Orient mit einer Bauchtanz-Marionette und improvisierten Arabesken an der Gitarre.