nach oben
Edouard Manets letztes Gemälde „Amazone“, entstanden in seinem Todesjahr 1883. Pedrini,
Edouard Manets letztes Gemälde „Amazone“, entstanden in seinem Todesjahr 1883. Pedrini,
Ein Bild, das für Aufregung sorgte: Félix Vallottons Gemälde „La Blanche et la Noire“ aus dem Jahr 1913.
Ein Bild, das für Aufregung sorgte: Félix Vallottons Gemälde „La Blanche et la Noire“ aus dem Jahr 1913.
„Nizza, das schwarze Heft“ von Matisse.
„Nizza, das schwarze Heft“ von Matisse.
Eines der wichtigen Bilder des Impressionismus: „Sämann“ von van Gogh.
Eines der wichtigen Bilder des Impressionismus: „Sämann“ von van Gogh.
03.02.2017

Sammlung Hahnloser macht auf ihrer Tour in Stuttgart Station

Die Villa Flora an der Tösstalstrasse in Winterthur war von 1995 bis 2014 eine Perle unter den Winterthurer Museen“, schreibt die Schweizer Stadt auf ihrer Homepage. „Es war einmal, und es war einmal schön“, ist man versucht, den Liedtext von Erika Pluhar zu zitieren. Denn – um im Bild zu bleiben – die Muschel ist ihrer Perle beraubt.

Will heißen: Da, wo die Meisterwerke französischer Künstler bestaunt werden konnten, herrscht Bilderleere. Denn die Stadt Winterthur ist klamm – und hat ein von langer Hand vorbereitetes Konzept, die Villa Flora gemeinsam mit dem Kanton Zürich und dem Kunstverein Winterthur aus- und umzubauen, gekippt. Doch der Schweizer Leid wird der Deutschen und Franzosen Freud: Während die Villa aus dem Jahr 1846 – bis auf die antike Möblierung – geräumt ist, sind die Bilder in Paris, im Kunstmuseum Moritzburg in Halle, in der Hamburger Kunsthalle und jetzt in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Jeweils unter einem anderen Motto und in anderer Zusammenstellung.

„Aufbruch Flora – Meisterwerke aus der Sammlung Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler“ vereint die 100 Schweizer Bilder und Skulpturen mit zehn Werken der Haussammlung. Manchmal mit der Erkenntnis, dass die beiden Sammler das glücklichere Händchen hatten. Das mag allerdings auch damit zusammenhängen, dass das Ehepaar freundschaftliche Kontakte zu vielen der damals umstrittenen Künstler pflegte. Besonders die Impressionisten und ihre Nachfolger hatten es ihnen angetan: die Nabis mit Pierre Bonnard, Félix Valloton und Edouard Vuillard, die Fauves mit Henry Matisse und Henri Manguin. Aber auch Manet findet sich in der Sammlung, zudem Cézanne, Renoir und van Gogh. Oder Giovanni Giacometti, der Vater Albertos, den der Augenarzt und die Kunsthandwerkerin 1907 kennenlernten. Seinem „Selbstbildnis“ setzt die Staatsgalerie mit ihre „Spieler“ entgegen. Und noch ein Schweizer schlägt den Bogen: Mit Ferdinand Hodler blickt der Betrachter von Mürren aus auf das Jungfraumassiv, während Stuttgart die Sicht auf den Genfer See mit den Savoyer Alpen im Hintergrund beisteuert. Bilder, die die majestätische Landschaft naherücken, die losgelöst von jeder Bodenhaftung tief in die Schönheit der Schweizer Bergwelt eintauchen lassen. Oder Manet: Hier verfügen die Stuttgart mit dem Bild „Der Maler Monet in seinem Atelier“ von 1874 über ein wegweisendes Werk. Jedoch ebenso unvollendet wie das neun Jahre später gemalte Bild „Amazone“ der Hahnlosers.

Den Skandal weitergetrieben

Wie mutig Hedy Hahnloser-Bühler – überwiegend für die Auswahl der erworbenen Bilder zuständig – war, lässt sich in Stuttgart erleben: Félix Vallotton kauft sie sein 1913 gemaltes Bild „La Blanche et la Noire“ ab, das in der Komposition auf Manets berühmtes „Olympia“-Bild von 1863 rekurriert. Und Vallotton treibt den Skandal weiter: Hier ist die Schwarze nicht Dienerin, sondern blickt mit der Zigarette im Mund fast schon herablassend auf eine noch mit errötenden Wangen schlummernde Nackte. „Man muss in seiner Zeit leben“, so das Motto des kunstsinnigen Ehepaares, das auch Werke sammelte, die in die Zukunft deuten. Etwa die einsam-geschundenen Frauen von Toulouse-Lautrec, die die Großstadtbilder der 1920er-Jahre vorwegnehmen. Doch wie heiter das Leben in der Villa Flora sein konnte, auch das lässt sich in dieser Ausstellung nachvollziehen, die mit ihrer Ausstattung und der Flora-Tapete ein wenig den Zauber dieses zum Museum gewordenen Privathauses heraufbeschwört. Zumindest viele Winterthurer haben die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass die Villa Flora wieder zu altem Glanz erblüht. Auch wenn die Spitzenwerke bis auf weiteres im Kunstmuseum Bern eine Heimat finden.