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Die Mystery-Tischuhr mit Wächterlöwen aus Smaragden, Rubinen, Diamanten und Platin aus dem Jahr 1929 nach einem Entwurf von Cartier. Foto: SMP
Die Mystery-Tischuhr mit Wächterlöwen aus Smaragden, Rubinen, Diamanten und Platin aus dem Jahr 1929 nach einem Entwurf von Cartier. Foto: SMP
12.10.2018

Sammlung von Prinz und Prinzessin Aga Khan im Pforzheimer Schmuckmuseum

Pforzheim. Prachtvolle Nécessaires, Etuis und Uhren – insgesamt 116 Stück – hat Sadruddin Aga Khan seiner Frau Katherine Beriketti im Laufe ihrer 30-jährigen Ehe geschenkt. Die schönsten und wertvollsten dieser Arbeiten sind noch bis 6. Januar im Schmuckmuseum zu bewundern.

Das Ehepaar hatte als leidenschaftliche Sammler und exquisite Kunstkenner einen guten Blick für das Besondere: Sie sammelte Bücher, er persische Miniaturen. Das Paar bevorzugte außergewöhnliche Handwerkskunst, die Funktion und Schönheit verbindet. So entstand die größte Einzelsammlung an Etuis und Uhren des Art déco. Viele Stücke sind von Cartier, Van Cleef & Arpels, Boucheron und Bulgari. Die Exponate vereinen westliche Formen des Art déco mit Motiven aus dem Osten.

Denn Saddurin, 1933 in Paris geboren, war als Franzose, Schweizer und Iraner in beiden Welten zuhause. „Er hat seiner Frau sehr persönliche Geschenke gemacht. Wir können uns vorstellen, dass seine Gattin die Etuis für private Dinge, wie ihren Lippenstift, nutzte“, schildert Schmuckmuseumsleiterin Cornelie Holzach. Zu besonderen Anlässen ließ Sadruddin einige Etuis auch gravieren. Wenn Katherine sie öffnete, erblickte sie die feine Schrift, wie zum Beispiel zum 30-jährigen Ehejubiläum: „Kate from Sadri. Thirty years (and more) of happiness. 25 November 2002“. „Wir zeigen diese Sammlung erstmals vollzählig in Europa“, erklärt Holzach.

Neben Zigaretten- und Schminketuis befinden sich auch Uhren in der Sammlung Aga Khan, die meisterhaft ausgeführte Werke mit extravaganten Gehäusen kombinieren. Ein Beispiel dafür ist eine Mystery Clock mit einem Wächterlöwen aus Jade. Sämtliche Stücke sind mit großer Raffinesse gearbeitet: „Diese kleinen Objekte sind unglaublich prachtvoll. Auf einer minimalen Fläche erzählen sie ganze Geschichten. Mit Abbildungen von Jägern, Falknern oder Bogenschützen entführen sie die Betrachter in die Welt persischer Mythen“, sagt die Schmuckexperten. Bei dem Schmucketui „Panther“ könne der Betrachter auf dem Deckel hohe Zypressen, die als Lebensbaum im Osten von großer Bedeutung sind, entdecken. Das Etui wurde 1925 von Cartier in Paris gearbeitet und zeugt von ganz großer Handwerkskunst, gefertigt in Email mit Perlmutt, Rubinen, Türkis, Onyx und Diamanten. Den Vordergrund dominiert ein elegant kraftvoller Panther, ein Tier, das nur im Westen vorkommt. Somit wird über die Zypressen und den Panther eine Verbindung zwischen beiden Welten geschaffen.

Zeitlebens verstand sich Sadruddin Aga Khan, der über zwölf Jahre als UNO-Flüchtlingshochkommissar tätig war, als Vermittler zwischen den Welten. Sein Tod im Jahre 2003 setzte den würdevollen Geschenken an seine Frau ein Ende, noch die letzte Dose trägt eben die dankbare Widmung für 30 Jahre Glück und zeugt vom Wert und der Kostbarkeit ihrer Liebe.

Die Resonanz der Besucher auf die Schau im Schmuckmuseum ist ausgesprochen positiv. „Wir bekommen begeisterte Rückmeldungen und sind sehr zufrieden mit dem Anklang. Auch der Katalog wird gut angenommen und musste bereits nachbestellt werden“, berichtet die Museumsleiterin.