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Lieder, die sofort ins Ohr gehen: Sascha Bendiks (links), Tobias Schwab.  frommer
Lieder, die sofort ins Ohr gehen: Sascha Bendiks (links), Tobias Schwab. frommer
29.02.2016

Sascha Bendiks und Tobias Schwab als „Die halbe Wahrheit“ im Osterfeld

Pforzheim. Geschliffene Hochglanz-Langeweile gibt’s bei anderen. Liveshows von Sascha Bendiks haben immer den unangepassten Charme bewusst artikulierter Individualität: Sie changieren zwischen Selbstironie, rauem Blues, parodiertem Rock ’n’ Roll und ureigenen Songs in einer Qualität, die ansonsten nur bei Stoppok oder beim frühen Wolf Maahn zu finden sind.

Im Osterfeld-Studio gastierte Sascha Bendiks diesmal mit Tobias Schwab – beide zusammen sind die Band „Die halbe Wahrheit“, eine Formation, die konsequent auf stilistische Grenzen pfeift und exzellent beobachtete Songs im Gepäck hat, die – direkt, aber nie billig, emotional, aber nie kitschig – sofort ins Ohr gehen. „Wir sind ziemlich durch“, sagt Sascha Bendiks zu Beginn des Konzerts im Studio, „aber das ist für dieses Programm ganz gut!“ Anschließend singt der 47-jährige Musiker und Komponist von der Ex in „Amsterdam“, von „Betty“ und damit von der Panik werdender Väter, erinnert an den gerade verstorbenen Peter Lustig, singt von „Elvis“, der heimlich ‘ne kleine Kneipe in Wuppertal betreibe und in seiner Freizeit unerkannt Boule am Baggersee spiele.

Außerdem beschreiben die beiden Musiker in „So nett“ eine gründlich misslungene Upperclass-Party in der Freiburger Hildastraße. Im aufmüpfigen Refrain rufen sie wegen Rauchverbot, Beschallung und Essen keck nach Chips und dem „Idioten von Gastgeber“, um ihm unter die Nase zu reiben, dass es hier „viel zu nett“ sei. Hinreißend gelingen auch die eigenwilligen Cover-Versionen der „Halben Wahrheit“: „Eleanor Rigby“ von den „Fab Four“ aus Liverpool und ein kolossal aufgewertetes „Yes Sir I Can Boogie“, dessen Original vom Madrider Disco-Duo Baccara stammt.

Zum Abschluss des Osterfeld-Konzerts gibt’s wieder Eigenes. Höhepunkt und Ende bilden der Song „Überflieger“, der rockige Titel „Alles für die Band“ und der Blues „Kneipe zu“. Für Musiker und Zuhörer war es einHeidenspaß.