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Hat seine Landsleute im Visier: Kabarettist Alfred Dorfer.  Foto: Frommer
Hat seine Landsleute im Visier: Kabarettist Alfred Dorfer.  Foto: Frommer
14.03.2016

Satirische Angriffslust auf Österreichisch: Alfred Dorfer mit seinem Solo-Programm „fremd“

Pforzheim. Alfred Dorfer ist ein Unikat: Wer in Schubladen denkt, wird für den Wiener Kabarettisten und Schauspieler nichts Passendes finden. Alle Grenzen zwischen Satire, Theater, Selbsterkenntnis und Philosophie reißt der 54-jährige Allround-Könner im Kulturhaus Osterfeld im Handumdrehen ganz genüsslich ein.

Dorfers aktuelles Soloprogramm „fremd“ ist bissige und sprachlich höchst brillante Unterhaltung, die es so nur bei ihm gibt.

Keineswegs zufällig zielt Alfred Dorfer mit seinen amüsanten Verbalattacken auf fast alles: auf Deutschland, Österreich, Vorarlberg, Kärnten, auf Medien, Politiker, auf Eltern, Psychologen, Intellektuelle und aufs TV-Prekariat. „Wir haben einen Vorteil gegenüber den Deutschen“, provoziert der smarte Wiener grinsend: „Wir sind weniger.“ Oder: „Die Medienlandschaft in Österreich ist wie in Kasachstan. Nur nicht so liberal.“ Und gleich zu Beginn seines Pforzheimer Gastspiels erinnert er sein Publikum daran, dass jährlich 32.000 junge Deutsche – „nennen wir sie Intelligenzflüchtlinge“ – zum Studium nach Österreich ziehen und daran, dass ausgerechnet „Gewissensbildung“ das Thema der aberkannten Dissertation von Ex-Ministerin Annette Schavan gewesen sei.

Buddhismus, so Alfred Dorfer weiter, „ist religiöses ,Mensch-ärgere-Dich-nicht’“ und die Politik sei nur die Marketing-Abteilung der Wirtschaft. Er verblüfft die Zuschauer mit kritisch hinterfragenden Verknüpfungen wie: „Übung macht den Meister – das kann bei Selbstmordattentätern nicht stimmen“ – und hat dabei eine Ausnahmequalität, wie Werner Schneyder in seiner besten Zeit. Spontanen Beifall erhält Dorfer für kurze selbstironische Seitenhiebe wie „Vorarlberg ist eine Art Versuchs-Schweiz“ oder in Ischgl liege die „Trottel-Dichte bei 110 Prozent“. Ansatzlos wird Alfred Dorfer plötzlich todernst: „Die Scheiße in Köln ist nicht eine Sekunde zu dulden, wurscht wer sie begeht!“

Humorvoll, elegant und pointiert steuert Alfred Dorfer durch sein anspruchsvolles Solo-Programm: Er spielt, spricht und an zwei Stellen singt er kurz. Alles, ohne je sein Publikum aus dem Blick zu verlieren. Er weiß immer ganz genau, wann er welche Dosis an satirischer Angriffslust wagen kann – und niemand im bestens besuchten Malersaal stört sich an dem eher launigen Teil seiner Zugaben, in dem er die Zuschauer frech grinsend auffordert: „Bitte helfen Sie, die Lausitz zu retten. Fahren Sie in die Lausitz, statt immer zu uns nach Österreich.“