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Neuer Blickwinkel: Im doppelstöckigen großen Ausstellungssaal des Basler Museums der Kulturen präsentieren sich derzeit die Schätze des Kunstmuseums.  Kunstmuseum Basel
Neuer Blickwinkel: Im doppelstöckigen großen Ausstellungssaal des Basler Museums der Kulturen präsentieren sich derzeit die Schätze des Kunstmuseums. Kunstmuseum Basel
04.12.2015

Schätze der altdeutschen Malerei sind ins Museum der Kulturen umgezogen

Pforzheim. Es ist eine weltweit einzigartige Sammlung, die das Kunstmuseum Basel beherbergt. Normalerweise.

Denn derzeit sind die großartigen Gemälde von Hans Holbein und Lucas Cranach, Matthias Grünewald und Konrad Witz im Zuge der Bauarbeiten ausgelagert – wenn auch nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt: von der Augustinergasse an den Münsterplatz. „Das Kunstmuseum hat sein Tafelsilber dem Nachbarn ausgeliehen“, sagt Claudia Baumbusch im vollen PZ-Forum. Und das Museum sorgt damit nicht nur für eine ungewöhnlich dichte und konzentrierte Ausstellung im Haus der Kulturen, sondern auch für einen völlig neuen Blickwinkel auf 50 altbekannte Meisterwerke. Anlass genug, sich wieder einmal genauer mit der altdeutschen Malerei an der Schwelle zwischen Spätgotik und Renaissance zu beschäftigen.

Claudia Baumbusch stellt dabei den gebürtigen Rottweiler Maler Konrad Witz (etwa 1400 bis 1446) an den Anfang, sind doch seine in Basel entstandenen Altarbilder revolutionär: Erstmals lösen sich die Figuren aus dem Bildhintergrund, treten – wie seine Frauenfiguren „Ecclesia“ und „Synagoge“ – dem Betrachter quasi entgegen. Erstmals hält auch die Realität Einzug in die Gemälde, etwa wenn in der Darstellung von „Joachim und Anna an der Goldenen Pforte“ die Mauern verschmutzt, die Wege brüchig sind.

Wie sehr die aufkommende Renaissance das Individuum betont, wie sehr gerade in einer reichen Stadt wie Basel die Bürger ins Zentrum der künstlerischen Betrachtung rücken, das zeigt beispielhaft das Doppelbildnis des Jacob Meyer zum Hasen und seiner Frau Dorothea Kannengiesser, gemalt im Jahr 1516 von Hans Holbein dem Jüngeren (1497/1498– 1543). Gänzlich unprätentiös stellt Holbein auch seine Ehefrau Elsbeth mit den beiden ältesten Kindern dar: Schwermütig blicken die drei aus dem Bild – Tristesse pur.

Doch bereits der Vater, Hans Holbein der Ältere (1460/1465–1524) leistet sich Revolutionäres: Seine Tafel „Marientod“ zeigt eine Gottesmutter, die, von Jüngern umringt aufrecht auf einem Thron sitzend, ihr Leben aushaucht.

Längst ist es vorbei mit dem Goldgrund, längst haben Landschaften in Zentralperspektive Einzug in die altdeutsche Kunst gehalten. Doch einer, der aus der Szenerie im Hintergrund ein wahres Bühnendrama macht, ist Matthias Grünewald (1480/83– 1528): Sein gekreuzigter Christus reckt die schmerzgekrümmten Hände in den nachtdunklen Himmel, in dem ein wilder Sturm tobt.

Und mit Lucas Cranach (1472–1553) betritt ein „Chamäleon ohnegleichen“, so Baumbusch, die Kunstszene, der für katholische Auftraggeber ebenso malt, wie für den befreundeten Martin Luther. Und der mit profanen Bildern ein Vermögen anhäuft. Die Lust am Tabubruch schließlich kennzeichnet eines der eindringlichsten Bilder von Hans Baldung Grien (1484/1485–1545): Mit einem Kuss versucht der als schauriger Knochenmann dargestellte Tod, eine Frau zu verführen, die ihren verlockenden Leib dem Betrachter darbietet und damit in die eigentliche Rolle der Verführerin schlüpft.