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Staunenswert: Fabergé- Ei aus der „Five Eggs Museum Collection“. Foto: Seibel
Staunenswert: Fabergé- Ei aus der „Five Eggs Museum Collection“. Foto: Seibel
11.09.2017

Schau „Echt-Unecht?!“ zeigt die Pforzheimer Schmuckgeschichte

Pforzheim. Zwar ist es nicht wie im Märchen „Die Goldene Gans“ von den Gebrüdern Grimm, an deren Federn jeder, der sie berührt, hängen bleibt. Und auch nicht, wie im kaukasischen Märchen, bei dem eine Gans goldene Eier legt – aber trotzdem gehören goldene Eier zur Geschichte der Stadt Pforzheim.

Es liest sich tatsächlich ein wenig wie im Märchen – und ist in der am Sonntag endenden Ausstellung „Echt-Unecht?!“ im Stadtmuseum mitzuerleben: Alles begann um die vorletzte Jahrhundertwende mit der Krönung Zar Peters II., der seinen Gästen als Erinnerung an den denkwürdigen Tag Ei-Anhänger zu verehren gedachte. Aber sein Hofjuwelier Fabergé war nicht in der Lage, so viele kleine Eier zu produzieren, so dass er sich in Idar-Oberstein umhörte nach einem geeigneten Lieferanten.

Dort wurde er zwar nicht fündig, bekam aber die Empfehlung, sich an Victor Mayer in Pforzheim zu wenden. So kam – ein erstes Mal – das in St. Petersburg ansässige Unternehmen Fabergé mit Pforzheim in Berührung, und Victor Mayer lieferte eine größere Zahl an kleinen Ei-Anhängern.

Höchste Goldschmiedekunst

Fabergé wollte nach 1945 die Geschäftsbeziehungen aufleben lassen, aber da es sich in der Diktion der Nachkriegszeit um den „Klassenfeind“ handelte, lehnte Victor Mayer ab. Erst sein Enkel, Herbert Mohr-Mayer, erkannte die Möglichkeiten, die in den Preziosen lagen, wurde „Werkmeister Fabergé“ und ließ die Tradition der Fabergé-Eier – Prunkeier, die als Inbegriff höchster Goldschmiedekunst und als Symbol für Luxus gelten – wieder aufleben.

Zwischen 1990 und 2009 entstanden zahlreiche der Schmuck-Eier in dem Pforzheimer Unternehmen, darunter ein „Millennium-Ei“, ein „Bonn-Berlin-Ei“ und „Hochzeits-Ei“ anlässlich der diamantenen Hochzeit der Queen mit Prinz Philipp. Ihr Innenleben, kaum weniger aufwendig gestaltet als das Äußere, bei dem unter anderem Gold, Edelsteine und Email Verwendung fanden, hält häufig eine Überraschung bereit. In der Ausstellung ist eines dieser Prunkstücke zu sehen, in dessen oberer Hälfte ein Küken zum Vorschein kommt. Es ist Teil der „Five Eggs Museum Collection“ und gleichzeitig eine Hommage an das erste von Fabergé 1885 für die Zarenfamilie geschaffene Ei, das ebenfalls an das orthodoxe Osterfest erinnert.

Diese Luxus-Objekte erzählen aber nicht nur von einer Zeit, in der Victor Mayer knapp 200 Angestellte beschäftigte, um die Nachfrage der Oberen Zehntausend zu befriedigen. Sondern sie haben auch Vorbildcharakter für junge Pforzheimer Schmuckdesigner: Frieda Dörfer, geboren 1984 in Kiel und seit 2013 nach Ausbildung und Hochschulbesuch in Pforzheim als Schmuckdesignerin in der Goldstadt selbstständig, setzt sich intensiv mit den alten Techniken auseinander.

Gerade die Fabergé-Eier mit ihrer edlen, oft fein strukturierten Oberfläche faszinieren sie. Die Guillochier-Technik, die bereits Victor Mayer anwendete, um das Metallblech mit einem regelmäßigen, eingravierten Muster zu verzieren, inspirierte sie zu den Mustern ihrer Ei-Broschen. So bleibt, auch, nachdem Unilever die Lizenz für die Produktion von Fabergé-Eiern bei Victor Mayer nicht verlängerte, ein Hauch von Luxus in modernem Kleid in Dörfers Broschen – von denen übrigens eine Auswahl in der Ausstellung im direkten Vergleich zum Ei aus der Manufaktur von Victor Mayer bestaunt werden kann.