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Am Ende kommt ein Chor aus Laiensängern auf die Bühne (hier mit Konstanze Fischer vom Theater Pforzheim).  Molnar
Am Ende kommt ein Chor aus Laiensängern auf die Bühne (hier mit Konstanze Fischer vom Theater Pforzheim). Molnar
03.02.2017

Schauspiel „Wie im Himmel“ berührt in Remchingen mit glänzenden Darstellern

Was für eine Überraschung: Immer mehr Zuschauer stehen auf, singen, gehen zur Bühne und vereinen sich zum großen Finalchor. Es sind Menschen aus Remchingen, Ettlingen, Karlsruhe, die im Vorfeld von Judith Ritter, Gesangslehrerin an der Musikschule Westlicher Enzkreis, zusammengestellt wurden und die gemeinsam viermal geprobt haben.

Ihr Auftritt wirkt jedoch spontan, setzt dem überzeugenden Gastspiel des Landestheaters Tübingen ein gelungenes Ende. Kein einziger Platz ist mehr frei in der Kulturhalle Remchingen. Zu sehen ist das tragikomische Schauspiel „Wie im Himmel“ mit Musik von Kay Pollak, dessen gleichnamiger Film 2005 für den Oscar nominiert war – und das in der vergangenen Saison am Theater Pforzheim gezeigt wurde.

Darin geht es um den Dirigenten Daniel Daréus, der nach einem Herzinfarkt in sein Heimatdorf zurückkehrt und dort den Kirchenchor übernimmt. Der gemeinsame Gesang verändert das Leben der eigenwilligen Bewohner, ruft aber auch Konflikte hervor – und reißt alte Wunden auf. Christoph Roos hat den Stoff lebhaft und nachdrücklich inszeniert: mal zum Lachen komisch, mal brutal und bedrückend – mit durchweg glaubwürdigen Darstellern.

Da ist zum einen das Pfarrerehepaar Stig (Rolf Kindermann) und Inger (Sabine Weithöner). Sie will ausbrechen aus der scheinheiligen Welt ihres Mannes. Er hält verbohrt daran fest. Da ist zum anderen die verängstigte Gabriella (Franziska Beyer), die wunderschön singen kann, von ihrem gewalttätigen Mann Conny (Daniel Tille) aber verprügelt wird.

Große Klappe, nichts dahinter

Da ist auch der Anführer-Typ Arne mit der großen Klappe (Andreas Guglielmetti), der seinen eigenen Cousin – den geistig behinderten Tore (grandios: Michael Ruchter) – aus dem Chor zunächst ausgrenzen will. Zudem hat er den dicken Holmfried (Patrick Schnicke) schon als Kind immer gehänselt. Dass der stille Erik (Robin Walter Dörnemann) heimlich in Holmfried verliebt ist, kommt erst bei dessen Coming-out zutage. Und schließlich ist da noch die hysterische Siv (Laura Sauer), die den Chor zuerst geleitet hat und eifersüchtig ist auf die junge Lena (kurzfristig eingesprungen: Konstanze Fischer vom Theater Pforzheim). Diese – von Männern enttäuscht – verliebt sich in den perfektionistischen Dirigenten Daniel (Kaspar Küppers).

Jeder der Charaktere rastet mal mehr, mal weniger aus, findet durch die Kraft der Musik aber immer wieder zurück in die Gemeinschaft. Und genau das kommt im Finale noch einmal eindrucksvoll auf den Punkt – dass gemeinsames Singen versöhnt und vereint.