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Gut gelaunt in der Pforzheim Galerie: Jörg Bruckschen liest vor, Axel Hertenstein hört zu und Claus Kuge gibt Wissenswertes zum Besten (von links). Foto: Roller
Gut gelaunt in der Pforzheim Galerie: Jörg Bruckschen liest vor, Axel Hertenstein hört zu und Claus Kuge gibt Wissenswertes zum Besten (von links). Foto: Roller
31.07.2018

Schauspieler liest Lyrik aus der Hertenstein-Presse in der Pforzheim Galerie

Pforzheim. Mehr als 160 Bücher hat Axel Hertenstein in seinem bislang mehr als fünf Jahrzehnte dauernden Schaffen bereits gestaltet – nach einem in seiner Branche wohl einzigartigen Konzept: Er wählt die Texte aus, die in seinem Kopf Bilder entstehen lassen.

In Harmonie kombiniert er Bild und Text. Beide entsprechen sich, kein Part dominiert. Es entsteht eine Einheit.

Seine Bücher druckt er nur in kleinen Auflagen, er entzieht sich dem Produktionszwang der Verlage. „Bücher sind für Axel Hertenstein Objekte der Kunst“, bringt es Claus Kuge am Sonntagnachmittag in der Pforzheim Galerie auf den Punkt, als er mit dem Schauspieler Jörg Bruckschen aus einigen Büchern vorliest, die Hertenstein illustriert hat. Etwa aus „Sieben Menschen“, einem Gedichtband Ludwig Harigs: ein Vertreter der konkreten Poesie, der später vor allem durch seinen autobiographischen Roman „Ordnung ist das ganze Leben“ bekannt wurde.

Mit ihm hat Hertenstein genauso zusammengearbeitet wie mit Gisela Maler. Mit fester Stimme liest Bruckschen aus „Traumzeit“ vor, einem im Wortsinn fantastischen Text von 1984. Von Angelika Mechtel trägt der Schauspieler „Himmelsgevögel“ vor. Die vielseitige Autorin habe ihr gesamtes lyrisches Werk in der Hertenstein-Presse verlegt, sagt Kuge. Nie habe Hertenstein einen schriftlichen Vertrag mit einem Autor gemacht. Nicht nur zeitgenössische Autoren hat er verlegt, sondern auch zahlreiche Klassiker der nationalen und der Weltliteratur.

In „Fünf Gedichte“ findet sich etwa Lyrisches von Novalis, in „Begegnung“ stehen Texte Mörikes. Auf Barthold Heinrich Brockes, den Autor eines unter anderem von Händel und Telemann vertonten Passionsoratoriums, wurde Hertenstein durch Zufall aufmerksam.

Die Frakturschrift faszinierte den Künstler. Jörg Bruckschen allerdings bringt sie am Sonntag in der Pforzheim Galerie ganz schön ins Schwitzen, als er aus dem Büchlein vorliest. Durch Variation von Tempo, Betonung und Stimmlage lässt der Schauspieler die oft von komplexen grammatischen Strukturen geprägten lyrischen Texte lebendig werden. Das Publikum dankt ihm dafür mit viel Beifall.