nach oben
Mit ihrem „Ausräumprogramm“ nimmt Schauspielerin Gilla Cremer das Publikum im Mühlacker Uhlandbau auf eine emotionale Achterbahnfahrt mit.  läuter
Mit ihrem „Ausräumprogramm“ nimmt Schauspielerin Gilla Cremer das Publikum im Mühlacker Uhlandbau auf eine emotionale Achterbahnfahrt mit. läuter
25.01.2016

Schauspielerin Gilla Cremer gastiert mit Solostück „Die Dinge meiner Eltern“ im Uhlandbau Mühlacker

Mühlacker. Mit einem rührenden und zugleich komischen Stück hat die Volkshochschule Mühlacker am Samstag ihre Theaterreihe im neuen Jahr eröffnet. Neu beziehungsweise seit 33 Jahren zum ersten Mal wieder für diesen Zweck genutzt, war die Spielstätte – der Uhlandbau. Bisher fanden die vhs-Veranstaltungen im Mühlehof statt. Auf der Bühne begeisterte Gilla Cremer mit ihrem selbst geschriebenen Stück „Die Dinge meiner Eltern“ und erhielt mitunter Szenenapplaus.

Sieben Tage Zeit auszuräumen

Agnes, freie Schauspielerin, ist von ihren drei Schwestern dazu verdonnert worden, nach dem Tod ihrer Eltern das Haus auszuräumen. Sieben Tage hat sie dafür Zeit, dann muss sie bei ihrer nächsten Premiere auf der Bühne stehen. Alles kein Problem, schließlich hat Agnes von ihren Schwestern ein Handbuch zur Haushaltsauflösung und jede Menge bunte Sticker zur Einteilung der Dinge in verschiedene Kategorien wie „verschenken“ oder „wegwerfen“ erhalten. Und Agnes macht sich ans Werk, findet unter anderem 121 nach Farben und Größe sortierte Plastiktüten, rund 2500 Bücher, den Jagdkalender des Vaters oder auch Liebesbriefe ihrer Mutter – die nicht von ihrem Vater unterzeichnet sind. Ehe sie sich versieht, steckt sie mitten in einer emotionalen Achterbahnfahrt, die mal Szenen ihrer Kindheit wachrüttelt, dann wieder Erinnerungen an die mögliche Scheidung der Eltern.

Kein Wunder, 60 Jahre Leben stecken in diesem Haus, in dem Agnes und ihre Schwestern aufgewachsen sind. 60 Jahre, in denen gefeiert und gestritten, getrauert und gehofft wurde. 60 Jahre Leben, die nun innerhalb von einer Woche einfach aufgelöst werden sollen. Dabei schafft es Cremer, das Publikum mitzunehmen, nachdenklich zu stimmen, zum Lachen zu bringen oder ganz und gar poetisch zu sein, wenn sie etwa wieder fünf Jahre alt ist und sich erinnert, wie am Abend zarte Lichtfäden durch den Spalt ihrer Zimmertür schweben und das kleine Mädchen wohlig einhüllen.

Kartons als Projektionsfläche

Ein einfaches Bühnenbild und eine Handvoll Requisiten setzt Cremer einfallsreich ein. So sind die zunächst im Hintergrund zu einer Wand gestapelten Umzugskartons mal Projektionsfläche, dann wieder Schrank, Bett oder Spiegel, der mit einer geschickten Ausleuchtung den Schatten der Schauspielerin zeigt. Trotz des berühmten Gastes und einer wunderbaren Schauspielleistung war der Uhlandbau nur knapp zur Hälfte gefüllt. Cremer hätte mehr Publikum verdient gehabt. Inga Läuter