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Isabel Schmidt-Mappes betrachtet den großvolumigen Ansteckschmuck von Frank Roßbach aus flexiblem Stahldrahtgewebe von 1987. Unten goldene Gewandschließe um 700 vor Christus. Foto: Ketterl
Isabel Schmidt-Mappes betrachtet den großvolumigen Ansteckschmuck von Frank Roßbach aus flexiblem Stahldrahtgewebe von 1987. Unten goldene Gewandschließe um 700 vor Christus. Foto: Ketterl
20.11.2015

Schmuckmuseum zeigt Ausstellung „Anziehend – von der Fibel zur Brosche“

Es ist ein bei vielen Führungen beliebtes Ratespiel: Wozu dienen diese beiden schlichten, mit einer Schlaufe verbundenen goldenen Halbschalen? Schulterzucken ist die häufigste Antwort, abenteuerlicher schon die Idee, es könnte sich zum Ohrringe handeln.

Tatsächlich blicken die Besucher auf eins in seiner schnörkellosen Schönheit vielleicht eindrucksvollstes Exponat des Schmuckmuseums: Rund 700 Jahre vor Christus entstanden, hat ein wohlhabender Ire mit dieser Fibel den schweren Stoff seines Gewands geschlossen – entweder vor der Brust oder auf der Schulter. Bei der gestern eröffneten Ausstellung „Anziehend – von der Fibel zur Brosche“ zieht dieses Stück gleich in der ersten Vitrine die Blicke auf sich. Und setzt damit eine Intention von Museumsleiterin Cornelie Holzach auf besonders augenfällige Weise um: Die Schmuckfachfrau will die außergewöhnliche Sammlung des Hauses immer mal wieder unter neuen Aspekten präsentieren, will besondere Objekte in den Fokus rücken.

Rund 100 Exponate sind nun in den mintgrün ausgeschlagenen Vitrinen des Sonderausstellungsraums zu sehen – 100 Schmuckstücke, an denen sich beispielhaft Geschichte ablesen lässt: die Gesichte von Mode und Kleidung, die Geschichte von Schmuck, aber immer auch Zeitgeschichte. Denn da ist es

beispielsweise nicht nur zur Zeit des Alten Fritz modern, seinen König als Brosche auf der Brust zu tragen. Da wird im Ersten Weltkrieg mit Schmuck Propaganda gemacht: Um die deutsche Eiche einer goldenen Brosche windet sich würgend eine Schlange.

Vor allem aber lässt sich anschaulich erfahren, welchen Wandel die Gewandschließen bis hin zur Brosche erfahren haben. Werden die ungenähten Gewänder der Antike noch mit oft filigran und meist sehr aufwendig dekorierten Fibeln zusammengehalten, kommt im Spätmittelalter bereits die Agraffe auf, mit der zwei Kleidungsstücke zusammengehalten werden – bei Männern und Frauen gleichermaßen beliebt. Meist fest an die Kleidung angenäht, ziert ein so kostbares Stück wie der goldene Blütenstrauß mit Smaragden und Diamanten von 1620 im 17. Jahrhundert einen Herrenhut. Im 13. Jahrhundert schließlich kommen die Knopflöcher auf – und die Fibeln werden überflüssig. Stattdessen feiert die Brosche größte Erfolge. Kaum ein kostbares Barockgewand, das nicht noch mit üppig mit Diamanten und Farbsteinen verzierten Broschen weiter aufgewertet wird. Im Jugendstil schließlich schlägt die große Stunde der Pforzheimer Schmuckgestalter: Ob dreidimensionaler Frauenkopf von Bildhauer Emil Salm, ob streng geometrische Gürtelnadeln von Victor Meyer, ob Künstlerschmuck von Theodor Fahrner – das Schmuckmuseum präsentiert eine große Auswahl individueller Stücke.

Gerade für die Schmuckkünstler der Gegenwart, sagt Museumsleiterin Cornelie Holzach, „sind Broschen variabler als alle anderen Schmuckformen“. Und so zeigt die Schau Kleinskulpturen aus Gold und Glas, gemalte Bild-Broschen oder körperumfassende Objekte – fernab all der muffigen Aura, die Omas „Bröschle“ einst so gern verströmten.