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19.06.2008

Schmuckmuseum zeigt "galante Begleiter"

PFORZHEIM. Für Charles Dickens waren sie ein gewohnter Anblick, jene englischen Ladies mit den stählernen Taschen und Börsen, wie er sie in seinem Roman „David Copperfield“ so eindrucksvoll beschreibt: „Sie trug die Börse an einem wahren Kerker von Metallbeutel, der an einer schweren Kette am Arm hing und wie ein Gebiss schloss“.

Sie das ist Miß Murdstone, Davids böse Schwiegertante, die Dickens mittels diesen Bildes als „durch und durch metallische Dame“ beschreibt. Und obwohl in der neuen Ausstellung des Pforzheimer Schmuckmuseums auch einige britische Metalltäschen zu sehen sind, so zeigt die Schau vor allem auf, was die Dame von Welt beim Ballbesuch am Arm und die Hausfrau von Stand am Gürtel trug.

Rund 180 Taschen und Täschlein, Garnkugeln und Châteleines aus einer privaten Sammlung sind erstmals öffentlich zu sehen: Viele mit pfiffigen Verstau- und Verschlußlösungen, die meisten mit hohem handwerklichen Aufwand gearbeitet und allesamt aus Metall. Und mögen die bunten Perlen noch so gläsern anmuten, oder scheint manches aus dunklem Holz so ist es letztlich nichts anderes als Stahl: bemalt, besprüht oder schlicht geschwärzt.

Doch eines ist alle diesen „galanten Begleitern“ – so der Titel der Ausstellung – gemein: Sie sind sehr elegant und in manchen Fällen auch sehr teuer. Da funkeln Brillanten und Saphire im Taschenbügel, da ist das Netz aus feinstem Gold gesponnen. Und viele dieser Taschen offenbaren ein opulentes Innenleben: Da gibt es eine kleine Geldkammer, ein Miniaturlippenstift ist neben das Puderdöschen eingebaut und Taschenspiegel samt Zigarettenfach dürfen nicht fehlen.

Eine kleine Kulturgeschichte werde anhand dieser Metalltäschlein erzählt, schildert Schmuckmuseumsleiterin Cornelie Holzach. Bereits im frühen Mittelalter entwickelt sich die Mode, nützliche Dinge an Bändern und Kordeln griffbereit vom Gürtel hängen zu lassen. Mit der Veränderung der Kleidung im ausgehenden Barock, als die Taschen „nach außen“ rutschen, entsteht die Notwendigkeit, eine neue Form von Beuteln und Anhängern zu entwickeln. So werden im Biedermeier schließlich die Châtelaines populär, die in der Ausstellung in all ihren Ausprägungen zu bestaunen sind: Da baumeln Rougedosen und Trillerpfeifen, Schreibtäfelchen aus Elfenbein und silberne Zangen, Schlüssel und Gelddöschen, Nadelbehälter und Massbänder an langen Ketten.
Diese sind an einem Anhänger befestigt, den die Hausherrin als Insignien ihrer Macht am Gürtel trägt.

Doch mit dem Wandel der Mode, der durch die zunehmende Berufstätigkeit von Frauen ausgelöst wird, verschwinden die Châtelaines. Und die die schön verzierten Geldkatzen, in denen Münzen aufbewahrt wurden, erleben mit der Verbreitung des Papiergeldes ihre Ende. Mit der Industrialisierung, die es ermöglicht auch Metallgeflecht maschinell herzustellen, findet eine neue Art von Maschen-Täschlein eine weite Verbreitung und auch zahlreiche Hersteller in Pforzheim, wie die Beispiele von Rodi & Wienenberger und Louis Kuppenheim aufzeigen. Den Höhepunkt ihrer Verbreitung erlebten die Täschchen dann im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, das in der Schau mit sehenswerten Beispielen von Fabergé und Tiffany vertreten ist. Danach verschwanden sie für lange Jahre in der Versenkung, um jetzt wieder Hollywoodstars wie Liz Hurley oder Nicole Kidman zu einem schmucken Image zu verhelfen.