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Spielten Höfisches vom Frühbarock bis zur Spätromantik: Organist Wolfgang Bürck (vorne) unter der Assistenz von Ulrich Hauser.
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Hoch über den Köpfen des zahlreich erschienenen Publikums befindet sich in der Schloßkirche die Steinmeyer-Orgel. Doch ihr Zustand ist schlecht. Fotos: Meyer

Schön, aber marode - Neue Konzertreihe „Orgel des Monats“ soll Spendengelder einwerben

Pforzheim. Mit der „Orgel des Monats“ ist am Sonntag ein neues Kirchenkonzert-Format erfolgreich an den Start gegangen. Bezirkskantor und Organist Wolfgang Bürck hatte für die Steinmeyer-Orgel von 1958 in der Schloßkirche unter dem Titel „Musik für Grafen, Prinzen und Könige“ ein weitgespanntes Programm mit Werken vom Frühbarock bis zur Spätromantik zusammengestellt.

Das Publikum dankte dem versierten, bestens präparierten Organisten mit langem Beifall und stehenden Ovationen. Die Beweggründe für die neue Reihe erläuterte Pfarrerin Heike Reisner-Baral. Viele Orgeln in Pforzheim und im Enzkreis sind stark restaurierungsbedürftig. So hat die Schloßkirchen-Orgel ein qualitätsvolles Pfeifenwerk, aber die Technik ist völlig marode. Die Konzertreihe soll die Menschen deshalb zum Spenden animieren.

Zum Auftakt erklang der festlich-prächtige „Prince of Denmark’s March“ des barocken Komponisten Jeremiah Clarke, der durch die Heirat von Prince Charles und Lady Diana 1981 weltberühmt wurde. Die frühbarocke Toccata in G des italienischen Komponisten und Hoforganisten Girolama Frescobaldi war das älteste Stück im Programm. Auf einem schwebenden Basso Continuo entfaltet sich ein kunstvolles Geflecht an getragenen Motivbögen. Das Konzert G-Dur von Johann Ernst Prinz von Weimar ist für Violine und Orchester geschrieben. J. S. Bach hat das fröhliche, dreisätzige Stück für Orgel bearbeitet. Orchester- und Violinpart sind in der Registrierung gut zu unterscheiden. Höfisch und pompös, farbig registriert, aber auch etwas statisch das getragene „Offertoire sur le Grands Jeux“ von François Couperin, Hofkomponist Ludwigs XIV. Einen großen Schritt ins 19. Jahrhundert machte Bürck mit Präludium und Fuge d-Moll aus op. 37 von Felix Mendelssohn Bartholdy, das vermutlich aus einer kunstvollen Improvisation entstand. An dunkel leuchtende Glasfenster erinnert das Klangspektrum der „Bénédiction Nuptiale (Hochzeitssegen) von Camille Saint-Saëns. Das Stück sollte einen Bezug zur „Pforzheimer Fürstenhochzeit“ von 1447 herstellen.

Eine Reminiszenz an den Schirmherrn der Schloßkirchen-Orgel, Bernhard Prinz von Baden, war das 1870 entstandene Badnerlied. Der effektvolle und publikumswirksame „Pomp and Circumstance March Nr. 1“ verfehlte seine Wirkung auch in Pforzheim nicht. Das begeisterte Publikum erklatschte eine Zugabe: „A Trumpet Air“ des zeitgenössischen Komponisten Paul Bryan.