nach oben
Verblüffend: Skulptur „Kendall with curved hand“ von Carole Feuerman.  Deck
Verblüffend: Skulptur „Kendall with curved hand“ von Carole Feuerman. Deck
Spiel mit dem Betrachter: Paul Critchleys „Art House“ besteht aus 85 einzelnen  Werken, darunter auch diese gemalte Kommode. Pfäfflin
Spiel mit dem Betrachter: Paul Critchleys „Art House“ besteht aus 85 einzelnen Werken, darunter auch diese gemalte Kommode. Pfäfflin
Im Gespräch mit dem Galeristen: die Künstler René Dantes (links) und Rainer Nepita mit Udo Larsson (rechts).
Im Gespräch mit dem Galeristen: die Künstler René Dantes (links) und Rainer Nepita mit Udo Larsson (rechts).
Die Fadenbilder von Monika Thiele, die viele Jahre in Pforzheim gelebt und gearbeitet hat, sind immer wieder staunenswert.
Die Fadenbilder von Monika Thiele, die viele Jahre in Pforzheim gelebt und gearbeitet hat, sind immer wieder staunenswert.
18.02.2016

Schön, schrill und ziemlich schaurig - Die Kunstmesse Art Karlsruhe öffnet ihre Pforten

Einfach schön ist sie, die Kunst, die die Art Karlsruhe gerade mal wieder präsentiert: Landschaften aus rund einem Jahrhundert, feine Porträts, gefällige Skulpturen. Und das in einer schier unglaublichen Fülle: 7000 Arbeiten von 1500 Künstlern. Selbst wer gemächlich die vier Messehallen in Rheinstetten durchstreift, weiß hinterher, was er geleistet hat – nicht nur der vielen Kilometer wegen.

Denn irgendwann schwirrt der Kopf, gibt es viel zu viele gleichartige Gemälde, viel zu viel Belangloses, Gleichklingendes. Da arbeitet sich der Betrachter an jeder Menge Fotorealismus und Figürlichem ab, da ist die sattsam bekannte Grafik der Klassischen Moderne, häufig gibt es modisch Kunterbuntes und bestenfalls ästhetisch Ansprechendes.

Diese Vorgabe erfüllen die sieben Skulpturen des Pforzheimer Künstlers René Dantes, die von der Kölner Galerie Larsson präsentiert werden, allerdings in höchstem Maße. Ganz neue Arbeiten sind es, wie die „Calla negra“ aus patiniertem Edelstahl, die je nach Beleuchtung mal schwarz-braun-dunkelrot oder auberginefarben changiert. Und während hier die Silhouette die Wirkung der so schwerelos erscheinenden organischen Figur bestimmt, ist es bei der Arbeit „Mia“ aus glänzendem Edelstahl das Licht, das die Skulptur modelliert. Daneben hängen die zurückgenommen abstrakten Bilder von Rainer Nepita, der wie Dantes Stipendiat der Basler Stiftung „Zum kleinen Markgräflerhof“ des Pforzheimer Mäzens Rainer Bartels war. Und hier wird auch eine der Stärken der Art Karlsruhe deutlich: Malerei gesellt sich zu – oft auch extrem großformatiger – Skulptur, etablierte Kunst und Avantgarde treten in einen Dialog.

Doch gekauft wird vor allem Schönes, etwa Monika Thieles feine Fadenbilder bei der Galerie Supper, die bereits am Mittwoch bei der Preview drei Werke an den Mann, genauer an den Sammler Peter Klein, bringen konnte. Auf Kaufinteressenten stößt vielleicht auch Heiteres, wie Yongbo Zhaos großformatiges Gemälde „Kein Auge für die Schönheit“ (Galerie Klaus Keller), auf dem sich eine schräge Zwergenschar munter zwischen den Beinen von Flamingos prügelt, die mit prachtvoll-prallen Hintern ausgestattet sind.

Nachdenkens- und sehr sehenswert geht Bernard Pras (Galerie Raphael) mit Picassos Kriegsbild-Ikone Guernica um: Auf den ersten Blick wirkt diese Arbeit auf Aluminium wie ein weiterer Abklatsch des berühmten Gemäldes. Doch dann entpuppen sich die Bildmotive der gequälten Menschen und Tiere als Collage aus allerlei Schrottteilen und Abfall. Einen zweiten Blick riskieren sollte auch der Besucher von Paul Critchleys „Art House“. Denn die Idylle, die der englische Künstler hier in seinem biederen Wohnambiente mit 85 einzelnen Werken auf 70 Quadratmetern vorgaukelt, lässt schnell einen Hitchcock-Schauer über den Rücken laufen.