nach oben
Trauer um Peter Härtling, der „ganzen Generationen die Welt der Literatur eröffnet hat“, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: Reinhardt
Trauer um Peter Härtling, der „ganzen Generationen die Welt der Literatur eröffnet hat“, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: Reinhardt
11.07.2017

Schriftsteller Peter Härtling mit 83 Jahren gestorben

Rüsselsheim/Remchingen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb an die Witwe: „Unser Land hat einen großen Schriftsteller verloren. Er hatte eine Sprache für Zustände, Orte und Verhältnisse gefunden, wie sie nur selten anzutreffen ist.“ Härtling habe mit seinen Büchern „ganzen Generationen die Welt der Literatur eröffnet und vielen Menschen – jungen wie alten – Mut und Trost „für die Wanderschaft des Lebens“ gegeben.“

Seine größten Fans hatte Härtling unter den Heranwachsenden, die den „Hirbel“ oder das Buch „Ben liebt Anna“ verschlangen. Rund 20 Schulen in Deutschland, darunter auch die Grundschule in Wilferdingen, sind nach ihm benannt. Die scheidende Schulleiterin Ulrike Rotert war 1999 als Konrektorin dabei, als Peter Härtling selbst zur Taufe der Schule in Wilferdingen war. Einen Satz hat Härtling für das Programm der Einrichtung formuliert: „Jeder Anfang ist unvergleichlich, kostbar und schützenswert.“ Ulrike Rotert schätzte den Autor für seine Auseinandersetzung mit sozialen Fragen – und für die Figuren seiner Jugendbücher. „Es sind Geschichten über starke Kinder – und über Kinder, die nicht in ein goldenes Nest gelegt wurden.“

Als großen Schriftsteller und Lyriker würdigte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) den Verstorbenen. „Wie wenige andere hat er es geschafft, Jung und Alt für die Vielfalt der deutschen Sprache zu begeistern.“ Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt trauert: „Mit Peter Härtling verlieren wir einen der bedeutendsten Schriftsteller“, sagte Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis.

1933 in Chemnitz geboren und dann mit der Familie nach Mähren übergesiedelt, flüchtete Härtling nach Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen mit seiner Mutter vor der Roten Armee. Der Vater, ein Rechtsanwalt, starb 1945 in russischer Gefangenschaft. Über Österreich kam die Familie 1946 ins schwäbische Nürtingen. Die Mutter nahm sich im selben Jahr das Leben. Härtling blieb mit seiner jüngeren Schwester bei Verwandten zurück.

Härtling arbeitete zunächst als Journalist, bevor er 1967 Cheflektor beim S. Fischer Verlag in Frankfurt wurde. 1974 ließ er sich als freier Schriftsteller nieder. Seinen Ruf als Romanbiograf großer Künstler erwarb er mit dem 1976 erschienenen Buch „Hölderlin“ – der große Dichter der Romantik verbrachte seine Kindheit und Jugend in Nürtingen. Danach schrieb Härtling über Schubert, Schumann, Mozart, E.T.A. Hoffmann und Fanny Hensel-Mendelssohn. Auch mit vielen Gedichtbänden wurde er bekannt.