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Unter der Leitung von Mark Mast präsentiert die Philharmonie Baden-Baden zusammen mit der Sopranistin Judith Spiesser und Bariton Florian Götz die Uraufführung von „… da ist Freiheit“.  Foto: Molnar
Unter der Leitung von Mark Mast präsentiert die Philharmonie Baden-Baden zusammen mit der Sopranistin Judith Spiesser und Bariton Florian Götz die Uraufführung von „… da ist Freiheit“. Foto: Molnar
Alexej Gorlatch hat eine Vorliebe für die Werke Frédéric Chopins. Foto: Molnar
Alexej Gorlatch hat eine Vorliebe für die Werke Frédéric Chopins. Foto: Molnar
23.05.2017

Schwarzwald Musikfestival startet auch in Bad Wildbad

Das Reformationsjubiläum ist überall Programm – so auch beim Schwarzwald Musikfestival, das am Wochenende in seine 20. Saison gestartet ist. Mit „500 Jahre Reformation“ sind die drei Eröffnungskonzerte überschrieben, das letzte findet in der nur lückenhaft besetzten Trinkhalle Bad Wildbad statt.

Zum vierten Mal in Folge gastiert der herausragende Pianist Alexej Gorlatch an der Seite der Philharmonie Baden-Baden – dieses Mal jedoch nicht mit Stücken von Beethoven. 2014 begann der Gewinner des ARD-Musikwettbewerbs dessen Klavierkonzerte in einem fünfjährigen Zyklus vorzuführen. Weil Beethoven nun aber nicht zum Lutherjahr passte, setzte der künstlerische Leiter und Dirigent Mark Mast dieses Jahr Chopins zweites Klavierkonzert ins Programm. Was Gorlatch nur entgegenkommt, hat er doch eine besondere Vorliebe für den musikalischen Poeten aus Polen. Während das Orchester den Kopfsatz noch mit einer längeren Exposition einleitet, gibt es beim Larghetto nur kurz den Ton an – denn das ist der Satz des Solisten.

Alexej Gorlatch bezaubert mit endlos weichen Linien, entfaltet die Melodie mit gänsehauterregendem Ausdruck. Schon bald perlen dem 29-Jährigen die Läufe frei aus der Hand. Er rauscht über die Tasten und hält in einem feinfühligen Dialog mit dem Fagott inne. Phänomenal auch der virtuose Finalsatz mit seinem beschwingten Mazurka-Rhythmus, den der Pianist mit einer beeindruckenden Eleganz, Kraft und Leichtigkeit versieht.

Den Bravo-Rufen folgen zwei kontrastierende Zugaben – natürlich von Chopin: eine rasante Etüde und ein traurig-leises Prelude. Eine weitere Besonderheit an diesem Abend ist das Auftragswerk von Enjott Schneider „… da ist Freiheit“, ein Kaleidoskop nach Texten von Martin Luther für So-pran, Bariton und Orchester. Das 19-minütige Werk ist Mast gewidmet und wurde am Freitagabend in Freudenstadt uraufgeführt.

Düster und unheimlich

In das bedrohlich-dunkle Kapitel der Reformationszeit soll es entführen, entsprechend düster und unheimlich kommt es daher. „Es geht um ‚Reformation‘ nicht zum Verstehen, sondern zum Erträumen und Erfühlen“, heißt es im Vorwort.

Im Kontrast stehen die schönen Stimmen von Sopranistin Judith Spiesser und Bariton Florian Götz, die zu Beginn „Der Herr ist der Geist, wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ im Wechsel singen. Ihr Part steht für die Seele, seiner für Luther – beim Reichstag in Worms etwa. „Ich kann nicht anders – hier stehe ich“, betont der Bariton markant.

Mittelalterliche Anklänge sind öfter zu hören, derbe Zupfer wie Peitschenhiebe, Pferdegetrappel, Kirchengeläut – und immer wieder die drohenden Pauken und das tiefe Blech. Alle fragmentarischen Texte sind von Luther – außer das Schlusszitat „Lieben ist Freiheit in ihrer schönsten Form“ – dieses stammt vom württembergischen Landesbischof Frank Otfried July. Passend zum Thema präsentiert die Philharmonie zum Abschluss Mendelssohns „Reformations-Sinfonie“. Sie entstand zum 300. Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses von 1530. Kämpferische Tutti stehen neben Details von Klarinetten, Flöten oder Celli im heiteren Scherzo. Bemerkenswert ist vor allem das farbige Finale mit den Variationen über den Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“.