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Johannes Geworkian Hellman (links) und Larsemil Öjeberget. Foto: Frommer

Schwedisches Folk-Duo Symbio begeistert im Gasometer

Pforzheim. Akkordeon und Drehleier. Diese Kombination scheint ungewöhnlich. Und sie klingt auch so – wie sich die Prisma-Konzertbesucher beim restlos ausverkauften Gastspiel des jungen schwedischen Folk-Duos Symbio rasch überzeugen konnten. Symbio, das sind die beiden studierten Stockholmer Musiker Johannes Geworkian Hellman (Drehleier), Larsemil Öjeberget (Akkordeon) und ein bisschen Elektronik.

Ihr Zusammenspiel lebt in erster Linie von den sich in der Melodieführung ständig abwechselnden Instrumenten, deren Sound Hellmann und Öjeberget im Konzertverlauf mit allerlei Kniffen eindrucksvoll anzureichern wissen. Dominiert gerade das Akkordeon, werden die Klänge der Drehleier auf eine betont rhythmische Begleitung zurückgenommen – und umgekehrt. Das junge Duo kombiniert instrumentalen Folk, Minimal Music und zarte elektronische Töne. Öjebergets Akkordeon ist ein bildschöner Norditaliener der Marke „Bugari“ aus Castelfidardo. Hellmans Drehleier ist eine Hightech-Spezialanfertigung des Instrumentenbauers Wolfgang Weichselbaumer aus Wien.

Das im Gasometer perfekt umgesetzte Wechselspiel dieser Instrumente lässt die Symbio-Eigenkompositionen wie „Islossning“ zur spannendsten Lautmalerei werden. Hellmans Anmoderation beflügelt die Fantasie der 100 Zuhörer zusätzlich: In dem Titel gehe es darum, dass alle Schweden nach düsteren Wintertagen den Frühling herbeisehnen, um Eis, das in der Sonne von den Fenstern schmilzt, und um auftauende Flüsse samt Kollisionen großer Eisschollen. Arktische Landschaften, ausgelassene Feste, Sonnwendfeuer und flirrenden Funkenregen lassen die Kompositionen „After The Fire“, „Arctic“ oder „Last Summer“ vor dem inneren Auge entstehen.

Hellmann und Öjeberget wurden 2016 bei den schwedischen Folk & World Music Awards als beste Newcomer des Jahres ausgezeichnet. Seither sind sie viel gereist und haben einiges erlebt. Den Prisma-Gästen erzählen sie von einem Schockmoment auf einer niederländischen Rolltreppe, als Hellmann feststellt, dass er seine Drehleier im Zug vergessen hat – und sich entgegen des Stroms der Passanten mühsam und hektisch zurück zu seinem Instrument kämpft.

Fraglos selten zu sehen sind Instrumentenreparaturen bei laufendem Konzert. Johannes Hellman kriegt auch diese Kurve scheinbar mühelos hin: Mit Hilfe eines rasch gezückten winzigen Schraubendrehers. Nicht auszuschließen, dass Besucher künftiger Symbio-Konzerte ihm noch eine LED-Stirnlampe mitbringen werden.