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Der Geiger Christian Altenburger (links) und der Pianist Bernd Glemser schaffen es, im Laienrefektorium auch komplexe Werke zu vermitteln. Foto: Bechtle
Der Geiger Christian Altenburger (links) und der Pianist Bernd Glemser schaffen es, im Laienrefektorium auch komplexe Werke zu vermitteln. Foto: Bechtle
07.09.2015

Schwere Kost ganz leicht – Glemser und Altenburger in Maulbronn

Der Pianist Bernd Glemser bestimmt auch in diesem Jahr als „Artist in Residence“ die Maulbronner Klosterkonzerte. In der vergangenen Woche hatte er noch gemeinsam mit Christian Altenburger (Violine) Meisterkurse gegeben – nun standen sie als musikalische Partner auf der Bühne des ausverkauften Laienrefektoriums.

Maulbronn. Ihre mitreißende Wiedergabe von Ludwig van Beethovens hochkomplexer „Kreutzersonate“ bildete am Freitag den Höhepunkt dieses Abends.

Altenburger verwendet kaum Vibrato, bringt seinen Ton dennoch zum Leuchten. Aber auch Rauheit und Schärfe ist ihm nicht fremd. Glemser musiziert vorwärtstreibend – zuweilen aber auch dunkel und geheimnisvoll. Beiden ist eines gemeinsam: Die temperamentvolle Klang-Attacke. Der erste Satz der Beethoven-Sonate, der mit technisch verzwickten Doppelgriffen der Geige einsetzt und das Klavier zum Nachziehen nötigt, zeichnete sich durch virtuosen Figuren-Sturm, harte Akkordschläge und überraschende Ruhepunkte aus. Der zweite Satz zelebrierte Innerlichkeit mit subtilem Ausdruck: Da umspielten virtuose Trillerketten des Klaviers die Linien der Geige. Im Finale ereignete sich beim Repetieren des Hauptthemas eine instrumental rasante Jagd.

Origineller Ravel

Vor der Pause offerierten Altenburger und Glemser des Klosters ihren begeisterten Zuhörern Franz Schuberts Violin-Sonate A-Dur. Bei der Gestaltung dieses Werks wirkte die Zwiesprache des Duos passagenweise noch etwas mühsam und im Klang manchmal fahl. Äußerst originell dann die Interpretation von Maurice Ravels einziger Sonate für Violine und Klavier. Das musikantisch farbige Geflirre im „Allegretto“ wurde im „Blues“ von jazzigen Stimmungsmomenten mit Klavier-Sprüngen, spitzen Pizzikati und angerissenen Saiten abgelöst und mündete mit schrillen Klang-Explosionen in das „Perpetuum mobile“ bezeichnete Finale ein. Jedenfalls servierten Glemser und Altenburger die gemeinhin als schwere Kost geltenden Violinsonaten mit dem Charme von Sterne-Köchen.