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Voll musikalischer Effekte im Laienrefektorium: Ondrej, Roman und Frantisek Janoska (von links) bilden mit Julius Darvas am Kontrabass das Ensemble. Foto: Fotomoment
Voll musikalischer Effekte im Laienrefektorium: Ondrej, Roman und Frantisek Janoska (von links) bilden mit Julius Darvas am Kontrabass das Ensemble. Foto: Fotomoment
04.06.2019

Schwindelerregende Virtuosität: Janoska Ensemble bei Klosterkonzerten

Maulbronn. Ihre Musik funkelt, sprüht und explodiert bisweilen, die virtuosen Effekte überschlagen sich. „Revolution“ nennen die drei Janoska-Brüder aus der Slowakei (Ondrej und Roman spielen Violine, Frantisek Klavier) und der in die Familie eingeheiratete Kontrabassist Julius Darvas ihr Programm, mit dem sie bei den Maulbronner Klosterkonzerten gastierten und im Laienrefektorium das Publikum in einen Begeisterungsrausch versetzten.

Es ist ihre erklärte Absicht, die Klassik zu revolutionieren, „wie die Beatles die Popmusik revolutioniert haben“. Und heraus kommt ein mitreißender, mit einer Unmenge von Klassik-Zitaten aufgemischter Mix aus Pop, Gipsy-Jazz und feuriger Csardas-Folklore. Der farbintensive Sound besitzt zusätzlich den Schmelz ambitionierter, erstklassiger Wiener Caféhaus-Musik.

Hommage an die Pilzköpfe

Zünftig beginnen die vier an Musikhochschulen klassisch ausgebildeten Instrumentalisten, deren Karriere beispielsweise bei den Wiener Philharmonikern ihren Anfang nahm, ihr schwelgerisches Spiel mit einem Thema aus der französischen Revolutions-Hymne „Marseillaise“. Um bruchlos in Mozarts „Figaro“-Ouvertüre hineinzugleiten, die mit der Melodie eines jüdischen Hochzeitsliedes und im Zentrum des Stückes mit dem Beatles-Song „All You Need Is Love“ angereichert wird.

So entwickelt sich der Konzertabend zu einer Hommage an die Pilzköpfe aus Liverpool. Dann folgt, mit fettem Streicher-Vibrato und Sehnsuchts-Schleifern ausgeführt, Tschaikowskys elegische Melodie aus „Souvenir d’un lieu cher“, ein starker Kontrast. Spontanität und herausragendes Improvisationstalent sind allenthalben zu spüren, besonders im gecoverten „Yesterday“ von McCartney und Lennon.

Um ihre unglaubliche Virtuosität und schwindelerregende Tempi vorzuführen, kommen alle vier Musiker in Solopassagen ausführlich zum Zuge. So die beiden Geiger mit abenteuerlichen Spring-bogen-Skalen in den „Thème original varié“, die der berühmte polnische Violinvirtuose und Erfinder einer besonderen Zitter-Bogentechnik zu Paganini-Capricci komponiert hat. Als pianisti-sches, von lateinamerikanischer Tanzlust befeuertes Bravour-Stück präsentiert Franticek Janoska seine Eigenkomposition „Leo’s Dance“, mit der er die Geburt seines zweiten Sohnes begrüßte. Der von den Janoska-Brüdern zu ihrem Lieblingskomponisten erkorene Johann Sebastian Bach ist stimmungsvoll mit seiner„Air“ (aus der Suite BWV 1068) zu hören.

Zwischen Ernst und Humor

Noch einmal fasziniert der kreative, zwischen Ernst und Humor wunderbar ausbalancierte „Janoska-Style“ im Arrangement „Cole over Beethoven“, das wie der langsame Mondscheinsonaten-Satz des Wiener Klassikers beginnt und mit dem jazzigen Cole-Porter-Hit „Night And Day“ verwoben wird. Alles kulminiert in der Beatles-Zugabe „Hey Jude“ und den Standing Ovations der Zuhörer.