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Umjubelt: Die Solisten mit den Philharmonikern. Foto: Manolo Press/Michael Bode
Umjubelt: Die Solisten mit den Philharmonikern. Foto: Manolo Press/Michael Bode
13.02.2018

Schwungvolle Operetten-Gala im Festspielhaus Baden-Baden

Baden-Baden. Die Operette ist im Festspielhaus Baden-Baden ein sporadisch erscheinender Gast. In der nur kurzzeitigen und desolaten Erstphase vor 20 Jahren gab es Pläne für eine Art Operettenfestival. Die Freunde des Genres wurden und werden aber hin und wieder durch attraktive Sänger-Galas erfreut, bei denen Operetten-Hits erklingen: Anna Netrebko singt gerne als Zugabe Lehárs „Meine Lippen, die küssen so heiß“ (unvergessen bei der Baden-Baden-Gala 2007). Vor einigen Jahren hat der polnische Tenor Piotr Beczala sein auch auf CD vorliegendes Operetten-Programm im Festspielhaus erfolgreich präsentiert.

Beczala war auch jetzt bei einer großen Operetten-Gala dabei, die – passend am Fasnachtssonntag – für zweieinhalb Stunden allerbester Laune im ausverkauften Festspielhaus sorgte. Annette Dasch und Thomas Hampson waren seine Partner bei einem Streifzug durch das unterhaltsame Musiktheater zwischen Johann Strauss II und Robert Stolz. Die Baden-Badener Philharmonie unter ihrem Chefdirigenten Pavel Baleff war für die mal einschmeichelnde, mal feurige Begleitung zuständig. Sie setzte aber auch eigene Akzente: mit den schwungvoll und lebendig musizierten Ouvertüren zu Franz von Suppés „Banditenstreichen“, Carl Millöckers „Armem Jonathan“ und Strauss‘ „Fledermaus“, aus der drei wesentliche Nummern erklangen.

Annette Dasch, die im Lauf des Konzerts in fünf Kleidern auftrat, hat eine große stilistische Bandbreite, die vom Barocklied bis in die Gegenwart reicht und die Operette einschließt. Sie setzt ihre Ausstrahlung und ihre erlesene Stimmkultur auch bei der vermeintlich leichten Muse gewinnend ein. So gefiel sie schon zu Beginn in der Auftrittsszene der Lisa aus dem „Land des Lächeln“, aber auch mit „Liebe, du Himmel auf Erden“ aus „Paganini“. Betörend und bezaubernd innig aber sang sie „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ von Robert Stolz.

Der Bariton Thomas Hampson sang, weil es für sein Stimmfach nicht so viele große Operetten-Partien gibt, Stücke, die sonst eher Tenöre oder Bässe singen. Der Sänger wusste mit viel Augenzwinkern und sicherer Gestaltungskunst die Nummern auch ohne Kostüm und Bühne auf den Punkt zu bringen.

Piotr Beczalas Soli waren ohnehin eine Klasse für sich. Der Sänger entfaltet einen so warmen und vollen Klang, singt mit so überlegener und fein modulierter Linienführung, dass jede von ihm gesungene Musik zum Genuss wird.

Da die an diesem Abend gesungenen Stücke der Wiener Spezies der Gattung entstammten, war es folgerichtig, mit „Wien, nur du allein, du sollst die Stadt meiner Träume sein“ zum Abschluss der Operetten-Metropole melodienselig zu huldigen.

Große Begeisterung beim Publikum – und zwei der größten Operetten-Glanzlichter als Zugabe. Erst sang Piotr Beczala Lehárs „Dein ist mein ganzes Herz“ in so wundervoller Gesangslinen wie heute kein Zweiter. Dann gab es den Walzer aus der „Lustigen Witwe“ als komödiantisches Terzett mit zwei Herren, die um die Hand der Dame buhlen: sehr köstlich.