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Warmspielen im Freien: Steven Glenn, Jon Ramm, Nicole Johänntgen und Paul Thibodeaux (von links). Foto: Frommer
Warmspielen im Freien: Steven Glenn, Jon Ramm, Nicole Johänntgen und Paul Thibodeaux (von links). Foto: Frommer
08.06.2017

Schwungvolles Quartett zeigt New-Orleans-Jazz im domicile

Pforzheim. Ein transatlantische Jazz-Quartett zeigt im Pforzheimer Jazzclub domicile eine frische, unverbrauchte Variante von jungem New-Orleans-Jazz. Die deutsche Jazzmusikerin Nicole Johänntgen begeistert mit exzellenten Musikern aus den USA.

Vorspiel im Grünen: Lange vor dem eigentlichen Auftritt schart Nicole Johänntgen ihre Musiker im domicile-Biergarten um sich. Schließlich zeigt sich das Wetter doch noch in einer Art reuiger Sommerlaune – und über ein ähnlich fotogenes Sonnendeck verfügt kaum ein Jazzlokal im Südwesten. Also: die Instrumente geschnappt, der Spielfreude kurz freien Lauf gelassen und einen Gast zum Filmen der Szene für den Facebook-Account verpflichtet. Schon jetzt wird offenkundig: Die Chemie der Formation stimmt! Für ihr jüngstes Album „Henry“ hat sich Saxofonistin Johänntgen, umtriebige Wahlschweizerin mit saarländischen Wurzeln, mit exzellenten Musikern aus New Orleans umgeben: Posaunist Jon Ramm, Ausnahmeschlagzeuger Paul Thibodeaux und der umwerfende Steven Glenn am riesigen Sousafon.

„Vor einem Jahr haben wir uns noch gar nicht gekannt“, verrät Johänntgen. Ein Stipendium in New York hatte sie genutzt, um in den Südstaaten die quirlige Jazzszene von New Orleans in Augenschein zu nehmen. Glenn, Ramm und Thibodeaux habe sie erst bei den Studioaufnahmen zu „Henry“ persönlich kennengelernt. „Und dann haben wir sieben Stücke in nur fünf Stunden eingespielt.“

Ähnlich schwungvoll gestaltet das Quartett den Auftritt im domicile. Auf den Einmarsch als Walking Act – das Schlagzeug auf die Snare reduziert – folgt mit „Oh Yes, My Friend“ ein melodisch getragener Titel, bei dem es keinerlei Fantasie bedarf, die beiden untergehakten Zecher vor dem geistigen Auge in einer Kneipe in „Nola“ zu sehen.

Johänntgen und Band zeigen eine frische, gänzlich unverbrauchte Variante von jungem New-Orleans-Jazz, der glänzend ohne jedes Soundmanagement auskommt. Den mitreißenden Groove scheint die transatlantische Formation „in den Genen“ zu haben – befeuert durch das virtuose Sousafon-Spiel und die prasselnden Rimshot-Orgien des Schlagzeugers. Eine Mischung, die gleichermaßen in Herz und Beine geht. Zwei-Meter-Mann Glenn tanzt mit Sousafon wie Disneys Balu der Bär. Auf eine Serie neuer schwungvoller Instrumentaltitel, die bislang teils nur den Titel „Henry“ und eine Ordnungszahl tragen, folgt der Ausmarsch. Alleine Drummer Thibodeaux verharrt auf der Bühne. Bis zur Zugabe, dem von Jon Ramm angestimmten Song „Paul Barbaran’s Second Line“. Robin Daniel Frommer