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04.12.2008

Serienweise anspruchsvolles Design: Schmuckkunst auf 400 Seiten

PFORZHEIM. Es ist ein gewaltiges Unterfangen: Die Entwicklung des modernen seriellen Schmuck-Designs von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart zu dokumentierten, war das Ziel des Schmuckexperten Peter Ludwig. Nun liegt das Ergebnis vor: 400 Seiten stark, fünf Pfund schwer und zwischen zwei weiße Buchdeckel gepackt.

Bei der Arnoldschen in Stuttgart erschienen, ist dieser auch üppig bebilderte Band nicht nur ein umfangreiches Nachschlagewerk der Branche, sondern auch ein interessant gemachtes Buch, das zum Schmökern einlädt. Ludwig schlägt in dem Band, den er gestern in Pforzheim vorstellte, einen weiten Bogen: Von großen und bekannten Schmuckherstellern, wie Niessing bis hin zu Jungdesignern, wie die an der Hochschule Pforzheim studierende Svetlana Milosevic. Der Autor hat sein Buch in drei große Kapitel unterteilt. Sein Rückblick auf die Ursprünge des modernen Schmuckdesigns – unterstützt durch zahlreiche Fotografien von Exponaten des Schmuckmuseums – führt ihn vom Jugendstil sowie Arts-and-Crafts-Bewegung bis hin zur „Renaissance der Schmuckkunst nach 1945“. Der Mittelteil des Bandes zeigt anhand verschiedener Aufsätze und einer Fülle von Fotografien Themen, Formensprache und Protagonisten auf, während im ebenfalls sehr umfangreichen dritten Teil rund 60 Manufakturen und Designer, die seriellen Schmuck produzieren, vorgestellt werden. Den größten Part der Präsentierten nehmen dabei Schmuckschaffende aus der Goldstadt und ihrer Umgebung ein sowie Schmuckentwerfer, die in Pforzheim studiert oder gelernt haben. Und neben so bekannten Namen wie Gellner oder Franziska von Drachenfels, Isabelle Fa, die Juni-Gruppe oder Kay Eppi Nölke stehen Talente wie Monika Seitter oder Kazuko Nishibayad- shi. Ebenfalls vertreten sind Jörg Heinz, Sabine Brandenburg, Egon Frank, André Ribeiro, Sabine Hauss, Isabelle und Hans-Georg Mössner, Stefanie Harer oder der an der Goldschmiedschule unterrichtende Batho Gündra.

Es sei eine persönliche Auswahl, die er getroffen habe, gesteht Ludwig ein, wobei eigenständige Konzepte und eine kontinuierliche Weiterentwicklung ebenso ausschlaggebend gewesen sein wie „ein gewisser Erfolg am Markt“. Ludwig stützt sich dabei hauptsächlich auf Schmuckdesigner aus Deutschland und Skandinavien, während beispielsweise wichtige Schmuckgestalter wie Norbert Mürrle oder das Atelier Bunz, die ebenfalls in Kleinserien arbeiten, fehlen. Doch trotz der Einschränkungen ist Peter Ludwig mit diesem Bildband vor allem eines gelungen: die Vorurteile gegenüber in Serie gefertigten Schmuck abzubauen und den Beweis anzutreten, dass exzellentes Design nicht auf Unikatschmuck begrenzt sein muss.