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Rapper Sido. Foto: dpa-Archiv/Vennenbernd
Rapper Sido. Foto: dpa-Archiv/Vennenbernd
08.01.2018

Sido und Kool Savas in Stuttgart: Mal schmutzig, mal lustig

Stuttgart. Eines muss man den Meister-Rappern Kool Savas und Sido lassen: Von Anfang an erzeugen die beiden Stars zum Tourneeauftakt in der mit 6000 Besuchern ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena eine Riesenstimmung. Doch die wahren Enthusiasten, die während des zweistündigen Non-Stop-Konzerts pausenlos im Rhythmus ihre Hände gen Himmel recken, befinden sich auf den Stehplätzen im Innenraum, während das sitzende Publikum auf den Rängen dem ohrenbetäubenden Klangerlebnis eher freundlich interessiert lauscht.

Das muss auch der 37-jährige Sido (bürgerlicher Name Paul Hartmut Würdig) eingestehen, als er plötzlich weit oben unter dem Hallendach zwischen den Zuschauern und Zuhörern auftaucht, während sein 42-jähriger Kumpel („mein Bruder“) die riesige Bühne vor einer nicht minder imposanten Videowand bespielt. Mit „Mein Block“ besingt, besser gesagt bespricht, Sido dabei das Märkische Viertel in Berlin, in dem er einst lebte. Deutlich kritisiert der Hitparaden-Stürmer: „Ihr da unten wart großartig. Ihr da oben müsst mir noch zeigen, dass ihr mein Block seid.“ Was dazu führt, dass „die da unten“ ordentlich „die da oben“ ausbuhen.

Obwohl im Mittelpunkt des Abends das vor einem Vierteljahr veröffentlichte erste gemeinsame Album „Royal Bunker“ (der Name einer ehemaligen Kreuzberger Kellerkneipe) steht, gönnen Sido und Kool Savas ihren Anhängern auch einige Kostproben aus eigenen Projekten oder Kollaborationen mit anderen Größen der Musikszene. Zum ersten Mal so etwas wie melodiös wird es während der 18. von insgesamt 33 Nummern bei „Der Himmel soll warten.“ Das Lied, das Sido mit Adel Tawil aufgenommen hat, ist „ein bisschen was zum Mitsingen“, wie Sido meint. Ähnliches gilt für „Schau nicht mehr zurück“, ein Stück, das Kool Savas (richtiger Name: Savas Yurderi) eigentlich gemeinsam mit Xavier Naidoo vorträgt.

Am populärsten ist das fast schon dem deutschen Schlager zuzurechnende Lied „Astronaut“, das Sido zusammen mit Andreas Bourani aufgenommen hat. Dabei kommt sogar das einzige Mal eine Art von Romantik auf, weil Savas erfolgreich alle dazu ermuntert, die eigenen Lichtquellen zum Erleuchten zu bringen: „Wo sind eure Handys, ihr geilen Säue?“ Fäkalsprache und Sexistisches mit vulgären Ausdrücken für die Bereiche unterhalb der Gürtellinie sind die Stärken der beiden. Doch kaum jemanden scheint das zu stören. In ihrer Zugabe „Masafaka“ geben die beiden Berliner Hip-Hopper unumwunden zu: „So sind wir: Ab und zu böse, manchmal auch schmutzig, einfach nur blöd oder unfassbar lustig.“