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Das Signum Saxophone Quartett begeistert in Maulbronn.   Roller
Das Signum Saxophone Quartett begeistert in Maulbronn. Roller
10.07.2017

Signum Saxophone Quartett begeistert in Maulbronn

Maulbronn. Als habe sie es darauf angelegt gehabt, schlägt die Turmuhr just zu dem Zeitpunkt, als das Prélude aus Maurice Ravels „Le Tombeau de Couperin“ gerade recht verklungen ist. Sie wird an diesem Abend übrigens die einzige bleiben, die sich traut, einen Mucks zu machen. Das Publikum ist nämlich mucksmäuschenstill und hört genau zu, was das Signum Saxophone Quartett und Martynas Levickis musikalisch zu bieten haben. Eine ganze Menge, wie sich im Lauf des Abends herausstellt.

Der Kreuzganggarten des Maulbronner Klosters schafft den perfekten Rahmen für ihren Auftritt. Inmitten des historischen Gemäuers legen alle Beteiligten eine äußerst erfrischende Spielweise an den Tag – genau das Richtige bei den hohen Temperaturen dieser Tage. Aus Ravels „Le Tombeau de Couperin“ präsentieren die vier Saxofonisten Blaz Kemperle (Sopran), Erik Nestler (Alt), Alan Luzar (Tenor) und Guerino Bellarosa (Bariton) mit dem Prélude und der Forlane träumerische Melodien, um dann beim spritzigen Menuett etwas härter zuzupacken. Das Rigaudon gerät wieder etwas ruhiger, bevor es beim Toccata nochmal richtig zur Sache geht. Überhaupt scheinen Kontraste dem spielfreudigen Quartett zu liegen.

Dass Martynas Levickis auf seinem Akkordeon dem harmonisch agierenden Saxofon-Quartett in nichts nachsteht, stellt er gleich bei seinem ersten Stück unter Beweis: „Fragilissimo“ von Gorka Hermosa. Mit einem langgezogenen, schrillen Ton beginnt er, es folgt ein dumpfes Knarzen, wilde Klänge treten hinzu, dann beginnt eine dynamische Melodie. Es ist beeindruckend, mit wie viel Energie Levickis die Tasten seines klassischen Pigini-Nova-Akkordeons beackert, es weit auseinanderzieht und wieder zusammenstaucht. Mal lässt er nur die Luft durch die Klappen strömen. Er entlockt seinem Instrument Klänge, die man von einem Akkordeon nicht kennt. Das Publikum hält den Atem an. Schon mit drei Jahren hat der gebürtige Litauer angefangen, Musik zu machen, mit acht ging er auf eine Kunstschule, studierte später Musik und gilt mit seinen 27 Jahren längst auch international als Kapazität auf seinem Gebiet. Das stellt er auch unter Beweis, als er zusammen mit dem Signum Saxophone Quartett die „Rapsodie espagnole“, ebenfalls von Ravel, zum Besten gibt. Eigentlich für ein Symphonieorchester komponiert, gibt es den fünf Musikern im harmonischen Zusammenspiel die Gelegenheit, einen zarten Klangteppich zu weben. Das farbenreiche Stück klingt in etwa so, wie ein impressionistisches Gemälde aussieht.

Die Turmuhr hat bereits zehn geschlagen, als die Musiker ihr Konzert nach gut zwei Stunden mit „Michelangelo `70“ beenden. Mit nicht enden wollendem, tosendem Applaus dankt das Publikum für ein äußerst nuanciertes Spiel, das an diesem Abend nicht nur einmal für ungläubiges Staunen sorgte. Zwei Zugaben folgen, ehe die Zuhörer zufrieden den Nachhauseweg in die laue Sommernacht antreten.