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Am Ende stehen alle Mitwirkenden auf der Bühne, darunter Philipp Werner (brauner Anzug), Lilian Huynen (rechts daneben), Dirigent Tobias Leppert (rechts dahinter) und Klaus Geber (mit Karte in der Hand).  Roller
Am Ende stehen alle Mitwirkenden auf der Bühne, darunter Philipp Werner (brauner Anzug), Lilian Huynen (rechts daneben), Dirigent Tobias Leppert (rechts dahinter) und Klaus Geber (mit Karte in der Hand). Roller
Torkelnd und mit einer Flasche Sekt in der Hand zum Schwipslied auf der Bühne: Franziska Tiedtke.
Torkelnd und mit einer Flasche Sekt in der Hand zum Schwipslied auf der Bühne: Franziska Tiedtke.
02.01.2018

Silvesterkonzert im Stadttheater begeistert das Publikum

Schmissig, spritzig, gefühlvoll, mit viel Humor und zum Mitklatschen: Das Silvesterkonzert der Badischen Philharmonie im Pforzheimer Stadttheater reißt das Publikum am Sonntagnachmittag fast zwei Stunden lang mit.

Vor allem als am Ende, bei der zweiten Zugabe, der Radetzky-Marsch erklingt und sich Dirigent Tobias Leppert umdreht, um den Zuhörern mit seinem Taktstock grinsend zu zeigen, wie laut oder wie leise sie zu den wuchtigen Klängen der hinter ihm sitzenden Musiker klatschen sollen. Die hatten zuvor im nicht ganz voll besetzten Großen Haus musikalisch durch das 19. und 20. Jahrhundert geführt, vorbei an Franz Lehár, Stephen Sondheim, Jacques Offenbach und Johann Strauß, dem Sohn des Radetzky-Marsch-Komponisten. Von ihm bekommt das Publikum an diesem Nachmittag mehrere Stücke zu hören. Etwa die klangprächtige Ouvertüre aus der 1874 uraufgeführten Operette „Die Fledermaus“ mit ihrer abwechslungsreichen melodischen Dynamik oder die nicht weniger spritzige Explosionspolka.

Zum eingängigen Rhythmus des Schwipslieds betritt Franziska Tiedtke die Bühne – singend, mit viel Vibrato, torkelnd, mit einer Flasche Sekt in der einen und einem Glas in der anderen Hand. Beim Schatzwalzer brilliert sie zusammen mit Gabriela Zamfirescu und Philipp Werner, während das spielfreudige Orchester mit Leichtigkeit einen geschmeidigen, tänzerischen Fluss entfaltet.

Weite Melodiebögen

Überhaupt agieren die Musiker sehr beweglich, fast so wie ein reibungslos funktionierendes, ganz im Dienst der Vokalisten stehendes Uhrwerk. Ganz sanft begleiten sie Lilian Huynen, als sie am Klavier Platz nimmt, um „Send In The Clowns“ mit ihrer tiefen, warmen Stimme ins Mikrofon zu hauchen. Weite Melodiebögen spannen sie aus, während die Stimmen von Elisandra Melián und Danielle Rohr dagegen in der sinnlichen „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ harmonieren.

Verführerisch gelingt auch Dorothée Böhnisch und Paul Jadach ihr mit ausladenden Gesten unterstütztes Duett „Meine Lippen, sie küssen so heiß“. Mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht fragt Philipp Werner: „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?“

Strahlender Gesang

Auch beim „Weibermarsch“ ist er mit von der Partie und steht zusammen mit seinen Kollegen Lilian Huynen, Klaus Geber, Jon Goldsworthy, Aleksandar Stefanoski und Paul Jadach in einer Reihe, um das heitere Stück aus der „Lustigen Witwe“ kräftig donnernd zu schmettern.

Stilsicher und farbenreich intoniert Aleksandar Stefanoski die Musicalnummer „Ol’ Man River“. Schade, dass der Text dabei nur schwer zu verstehen ist. Ein Pro-blem, das der Opernchor nicht hat, als er „Erstrahlen die Lichter“ aus der „Csárdásfürstin“ gesanglich zum Vortrag bringt. Während die Streicher immer wieder schöne Aufschwünge liefern, tanzen die Sänger über die Bühne, die Herren im schwarzen Anzug, die Damen im eleganten roten Abendkleid.

Beim Finale, dem Trinklied aus dem „Bettelstudenten“, stehen alle Beteiligten noch einmal zusammen auf der Bühne. Auf den tosenden Applaus des Publikums folgen einige tiefe Verbeugungen, später gleich zwei Zugaben und ein von Klaus Geber gezündetes Knallbonbon.