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Gut bei Stimme: Van Morrison (70) bei den Jazzopen in Stuttgart. Foto: Hochmuth
Gut bei Stimme: Van Morrison (70) bei den Jazzopen in Stuttgart. Foto: Hochmuth
15.07.2016

Sir Van gibt den Ton an: Stuttgart groovt zu „Brown Eyed Girl“

Stuttgart. Nein, so griesgrämig ist er gar nicht: Gut, er klatsch gerade dreimal kurz in die Hände, um das Publikum zum Mitmachen zu animieren, nuschelt einen Dank ins Mikrofon, ehe er sang- und klanglos von der Bühne verschwindet. Aber Van Morrison spricht durch seine Musik – den eigenwillig-eingängigen Gesang, das gefühlvolle Saxofon- und fabelhafte Mundharmonika-Spiel.

Der versteckte Romantiker, der Mann mit dem Soul im Blut – alles ist da, nur zu deutlich darf’s nicht werden. Es könnte ja ausgelassene Stimmung aufkommen. Nein, da jagt er seine fabelhafte Band lieber von Song zu Song. 23 sind das in gerade mal 90 Minuten. Los geht es im Stuttgarter Schlosshof – wohl dem Veranstalter geschuldet – jazzig. Mit seinem Hit „Moondance“, der frisch und neu klingt. Und dann arbeitet sich Sir Van durch 50 Jahre eigene Musikgeschichte und durch viele weitere Dekaden anderer berühmter Musiker. Da blitzt John Lee Hookers „Think Twice Before You Go“ auf, den Blues lässt er los bei „Baby Please Dont’t Go“ von den Joe Williams’ Washboard Blues Singers, und bei Don Gibsons „I Can’t Stop Loving You“ greift er tief in die Schnulzenkiste. Doch das Publikum liebt es, kommt beim grandiosen Liebeslied „Real Real Gone“ ins Tanzen. Aber zu viel Stimmung ist dem von der Queen zum Ritter geschlagenen Iren doch suspekt: Mit „I’m In Heaven“ schlägt er gleich wieder gemäßigtere Töne an. Um zum Schluss noch mal so richtig Gas zu geben: „Brown Eyed Girl“, „In The Garden“ und „Gloria“ beenden einen kurzweiligen Abend. Ganz zum Schluss, wenn der Maestro die Bühne verlassen hat, darf die grandiose Band endlich einmal zeigen, was alles in ihr steckt: Bandleader, Keyboarder, Pianist und Blechbläser Paul Moran erweist sich als famoser Multiinstrumentalist, Paul Moore als groovender Bassist, Dave Keary als swingender Gitarrist, Mez Clough als feinfühliger Drummer und Dana Masters lässt ihre sexy Stimme röhren. Vergnügen pur.