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Karolina Pasierbska (links) als Sissi und Alexander Donesch als Kaiser Franz Joseph haben es schwer. Foto: Molnar
Karolina Pasierbska (links) als Sissi und Alexander Donesch als Kaiser Franz Joseph haben es schwer. Foto: Molnar
28.01.2016

„Sissi - Liebe, Macht und Leidenschaft“ im CongressCentrum Pforzheim

Rührend ist sie, die Geschichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth. Besonders, wenn man sich an die Marischka-Filme der Fünfziger Jahre mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm erinnert. Ein Abklatsch dieser Heile-Welt-Trilogie war nun im CongressCentrum Pforzheim zu sehen – mit der Tourneetheater-Produktion „Sissi – Liebe, Macht und Leidenschaft“.

Den einen rührt sie zu stehendem Applaus, den anderen vergrault sie schon in der Pause. Kein Wunder: Von einem solchen, in höchsten Tönen angekündigten Musical mit Ticketpreisen von bis zu 67 Euro wäre mehr zu erwarten gewesen. Vor allem, wenn mit der süßen Sissi (Karolina Pasierbska) und ihrem Franzl (Alexander Donesch) große Gefühle, Glanz und Gloria gezeigt werden sollen, dann aber kein einziger Song erklingt, der wirklich unter die Haut geht. Die Musik von George Amadé wird lieblos vom Band eingespielt, klingt stellenweise sogar richtig dramatisch, etwa wenn die strenge Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie (Adelheid Brandstetter), bei „Elisabeth!“ mehr Disziplin einfordert. Oder wenn der stolze ungarische Graf Andrassy (Martin Mulders) sein feuriges Revolutionslied singt. Und ach, nicht zu vergessen der verzweifelte Ausbruch der jungen Kaiserin bei „Wo ist mein Kind?“: Da kommt richtig Bewegung ins Spiel der ansonsten sehr verkitscht wirkenden, mit schmachtenden Blicken und strengen Mienen daherkommenden, gesanglich aber nicht wirklich überzeugenden Darsteller.

Und was die Tänzer angeht: Amateurhafter als der Auftritt dieses Ensembles in bayrischen Lederhosen und blümchenbedruckten Dirndln geht fast nicht. Eine gute Figur machen die Tänzer am ehesten noch zu den Melodien von Johann Strauß („Wien erwacht“) und von Johannes Brahms („Ungarischer Tanz“). Umso größer ist der Einfallsreichtum, was die Kostüme (Hildegard Mandl, Elena und Walburga Stampfer) betrifft: Die wechselnden Roben der Damen sind der Augentrost des Abends. Auch das Bühnenbild mit meterhohen, goldumrahmten Gemäldewänden lenkt den Blick ein wenig von den Darstellern ab. Der Hampelmann des Abends ist Regisseur Claus J. Frankl als trotteliger Major Krespl. Er spielt seine Rolle respektabel, auch Sandra Leitner ist ganz die enttäuschte Schwester Nené. Hauptakteurin Karolina Pasierbska passt schauspielerisch zwar gut zur Rolle des hübschen Wildfangs, erfüllt ihre Gesangspartien aber mit wenig Hingabe und schlechter Artikulation.