nach oben
Pete Doherty. Foto: dpa
Pete Doherty. Foto: dpa
27.02.2017

Skandal-Rocker Pete Doherty taumelt vom Punk zur Poesie

Hamburg. Und plötzlich steht Pete Doherty da. Mit 20 Minuten Verspätung und damit viel früher als erwartet. Vor ein paar Tagen in Frankfurt mussten Konzertbesucher seiner Deutschlandtournee mehr als zwei Stunden auf ihn warten.

Aber genau genommen sind die Anwesenden in der ausverkauften Großen Freiheit in Hamburg froh, dass der 37-Jährige überhaupt erschienen ist. Jubel brandet auf, bevor der für seine Drogeneskapaden bekannte Musiker überhaupt den ersten Ton gesungen hat. Schnittig und schlank sieht der Ex-Freund von Supermodel Kate Moss in seinem schwarzen Anzug aus. Sein mittlerweile ergrautes Haar liegt so zerzaust, als wäre er gerade dem Bett entstiegen. Passend dazu torkelt Doherty mehr über die Bühne, als dass er geht. Und Doherty lallt ganz schön, als er erzählt, wie es einem Security-Mann missfiel, als er die deutsche Nationalhymne summte.

Ist Doherty zugedröhnt oder ist er so, weil es die Fans mittlerweile von ihm erwarten? Da ist man sich nicht ganz sicher. Egal wie: Seine Musik, die kann er. Mit seinem Konzert bringt er die Songs seines zweiten Soloalbums dorthin zurück, wo sie entstanden sind. „Hamburg Demonstrations“ heißt das von Kritikern gelobte Werk. Neben den Songs seiner zwei Soloalben spielt er Lieder der Garagenrock-Bands The Libertines und Babyshambles. Flankiert wird er dabei von fünf Musikern, darunter auch Babyshambles-Bassist Drew McConnell und Dohertys Freundin Katia de Vidas, die mehr schlecht als recht das Keyboard bedient. Bei den druckvollen Stücken greift Doherty auch selbst zur Gitarre. Und immer wieder blitzt sein unglaubliches Talent als romantischer Songpoet auf. Dass es auf der Bühne allerdings diverse Rückkopplungs- und Übersteuerungslaute gibt, lässt ihn nur schmunzeln. Sauer macht ihn eher, dass wiederholt mit Bechern auf ihn gezielt wird: „Da musst du wohl noch üben“, raunzt er in Richtung eines Zuschauers, als ihn ein Wurfgeschoss nur knapp verfehlt. Je später der Abend, umso mehr schmeißt allerdings auch Doherty mit Sachen um sich: Durch die Luft fliegen Plastikflaschen, Mikrofonständer und sogar seine Gitarre. In der Zugabe kredenzt er die Babyshambles-Hymne „Fuck Forever“, und alle liegen sich bierselig in den Armen und singen lauthals mit.