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Der Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, führt Regie in der Neuinszenierung der Richard-Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Foto: Karmann
Der Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, führt Regie in der Neuinszenierung der Richard-Wagner-Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Foto: Karmann
19.07.2017

Skandalfreie Zone: Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth

Bayreuth. Die Beete sind bepflanzt, die Hecken im Park rund um das Bayreuther Festspielhaus akkurat gestutzt. Eine Gruppe Touristen steigt kurz aus ihrem Reisebus, macht Fotos von der berühmten Fassade. Das Sicherheitspersonal dreht unaufgeregt seine Runden. Hinter den hohen Zäunen am Bühneneingang werden Wagen mit Bühnenbildern hin- und hergefahren. Natürlich gut versteckt unter Planen. Wenige Tage vor der Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele am 25. Juli geht es auf dem Grünen Hügel zu Bayreuth ruhig zu. Und das ist bemerkenswert.

Keine bösen Überraschungen

Schließlich konnte man fast jedes Jahr damit rechnen, dass irgendein Skandal den Adrenalinspiegel der Wagnerianer noch einmal nach oben treiben würde, bevor der erste Ton dem Orchestergraben entsteigt. Mal wurde ein Sänger wegen eines früher sichtbaren Hakenkreuz-Tattoos geschasst, mal schmiss die Sängerin der Titelpartie einen Monat vor der Eröffnung hin, mal reiste kurz vor der Premiere aus undurchsichtigen Gründen der Dirigent ab.

Und 2017? Man habe Spaß an der Probenarbeit und freue sich auf die Festspiele, lassen Barrie Kosky und Philippe Jordan verlauten. Regisseur und Dirigent der Premierenoper „Die Meistersinger von Nürnberg“ scheinen perfekt zu harmonieren, sie loben die Besetzung, die ihnen Festivalchefin Katharina Wagner und Musikdirektor Christian Thielemann organisiert haben.

Und Wagner schürt schon einmal die Vorfreude auf die „Meistersinger“: „Barrie Kosky ist ein wunderbarer Regisseur“, sagte sie vor wenigen Wochen. Der Intendant der Komischen Oper Berlin ist Profi und ein Theater- und Opernmacher aus Leidenschaft. Dass er zusammen mit Jordan, Musikdirektor der Pariser Oper und Chefdirigent der Wiener Symphoniker, Qualität abliefern wird, versteht sich fast schon von selbst. Jordan debütierte 2012 in Bayreuth, als er Stefan Herheims gefeierte „Parsifal“-Inszenierung in deren letztem Jahr dirigierte und hervorragende Kritiken erntete.

Erneut zum Programm gehört „Tristan und Isolde“ in der Regie von Katharina Wagner und unter der musikalischen Leitung von Thielemann. Der „Parsifal“ von Uwe Eric Laufenberg geht in die zweite Runde. Im Vorjahr hatte der eigentlich vorgesehene Dirigent Andris Nelsons vier Wochen vor Festspielstart das Handtuch geworfen. Warum genau – das weiß die Öffentlichkeit bis heute nicht wirklich. Hartmut Haenchen ist eingesprungen, er steht auch dieses Jahr am Pult. Zudem wird er das Festspielorchester am 24. Juli leiten. Dann gibt es einen Festakt zu Ehren des einstigen Festspielchefs und Regisseurs Wieland Wagner, der vor 100 Jahren geboren wurde.

Zum letzten Mal in Bayreuth zu sehen ist in diesem Jahr der vierteilige „Ring des Nibelungen“ in der Regie von Frank Castorf. Bei der Premiere 2013 erntete seine Version der Tetralogie mit sich vermehrenden Krokodilen, Motel-Ambiente und Blowjob heftige Buhrufe.

Royaler Besuch

Die Schaulustigen in Bayreuth dürften dem Festspiel-Auftakt besonders entgegenfiebern, hat sich doch das schwedische Königspaar Carl Gustaf und Silvia angesagt. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt wieder zur Eröffnung. Also auch an der Promi-Front scheint alles in schönster Ordnung zu sein.