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Nell Zink.
Nell Zink.
18.03.2016

Skurriler Bilderreichtum: Die gefeierte amerikanische Autorin Nell Zink liest bei „Sprachsalz“

Pforzheim. Das Literaturfestival „Sprachsalz“ findet vom 6. bis 8. Mai erstmals in Pforzheim statt. Dahinter steckt ein besonderes Konzept, das den Besuchern kostenfrei Zugang zu zeitgenössischer Literatur aus verschiedenen Ländern bietet. Veranstaltungsort ist das „Parkhotel“, in dem die Autoren auch übernachten werden. So haben die Besucher die Möglichkeit, in ungezwungener Atmosphäre mit den Literaten beispielsweise an der Hotelbar ins Gespräch zu kommen. Die PZ stellt heute die amerikanische Autorin Nell Zink vor.

Die Autorin: Nell Zink wurde 1964 in Kalifornien geboren und wuchs auf dem Land in Virginia auf. Mit dem Schreiben begann sie als Teenager. Lange Jahre aber schrieb sie nur für Freunde, bis ein Briefwechsel mit dem Autor Jonathan Franzen zu einer ersten Veröffentlichung führte. Zink studierte in Tübingen Medienwissenschaften und übersetzte Texte der Reportage-Agentur „Zeitenspiegel“. Heute lebt sie in der Kleinstadt Bad Belzig in Brandenburg.

Das Buch: „Dieses Buch: eine Angelegenheit zur Freude. Wie sein Namensvetter, der Mauerläufer, hintergründig und schön, so wahrhaftig und so lebendig“, war in der New York Times über ihr Erstlingswerk „Der Mauerläufer“ zu lesen. Auf 192 Seiten beschreibt Zink die Geschichte von Tiffany. Die frisch verheiratete Amerikanerin zieht mit ihrem Mann in die Schweiz, wo sie einen Wandel weg von der braven Ehefrau hin zu einer sehr unabhängigen Person vollzieht. Ornithologie, viel Sex und Naturschutz spielen dabei eine zentrale Rolle.

Der Schreibstil: Ilka Piepgras, die Zink vergangene Woche im „Zeit“-Magazin porträtierte, sagt: „Die Stärke des Romans liegt in seiner verspielten Heiterkeit, unterlegt von diffuser Existenzangst. Und in einer Unvorhersehbarkeit.“ Nell Zink verstehe es außerdem, einen „skurrilen Bilderreichtum“ zu schaffen.

Das Zitat: „Er tat so, als wäre ich wirklich anspruchsvoll und schwer zu erobern. Er umwarb mich mit allem, was ich jemals lobend erwähnt hatte: Little-Debbie-Marshmallowkuchen, Brunnenkresse, die Rieslinge, die unserem gemeinsamen Idol Richard Nixon den Gaumen kitzelten (ein Witz), oder Alban Berg (ein Witz, den er nicht kapierte). Meine Eltern waren sich einig. ,Eine gute Partie‘, sagten sie. Sie legten mich ihm gleichsam ins Bett. Also hatten wir den ersten Sex auf ihrem Ausziehsofa.“

Die Lesung: Nell Zink spricht sehr gut Deutsch, nur ein schwacher Akzent ist von ihrer Muttersprache noch herauszuhören. Nachdem der Medienrummel um sie immer größer wird, dürften ihre Lesungen in Pforzheim sehr gefragt sein