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In Calw wird Peter Kraus von Sandy Wollasch stimmlich unterstützt. Foto: Recklies
In Calw wird Peter Kraus von Sandy Wollasch stimmlich unterstützt. Foto: Recklies
07.08.2015

So frisch wie eh und je: Peter Kraus beim Calwer Klostersommer

Calw-Hirsau. Kaum erklingen die ersten Töne von „Sugar Baby“, schon herrscht Aufregung im Publikum, und es kommt unvermittelt Bewegung in den Kreuzgang des Hirsauer Klosters. Genau wie es Peter Kraus in der ersten Hälfte seines Klostersommer-Konzerts im Rahmen seiner Abschiedstournee vorausgesagt hat, stürmen plötzlich zahlreiche weibliche Fans vor die Freiluftbühne, von der Kraus an diesem Abend über mehr als zwei Stunden hinweg seine Hits schmettert, und feiern den 76-jährigen Entertainer, als gebe es kein Morgen mehr.

Da wird wild getanzt, frenetisch gejohlt und lauthals mitgesungen. Und Peter Kraus fühlt sich wie in seinen Jugendjahren, als er just mit „Sugar Baby“ die Charts stürmte und viele Mädchen hysterisch auf den smarten Sänger reagierten. Das liegt fünfeinhalb Jahrzehnte zurück. Nicht wenige derjenigen, die jetzt vor der Bühne ekstatisch zu „Sugar Bay“ tanzen, dürften aber auch damals schon ähnlich begeistert auf den smarten Sänger und Schauspieler reagiert haben. Das ist an den glänzenden Augen der zumeist älteren Semester abzulesen. Einziger Unterschied zu einst: Diesmal fliegt keine Unterwäsche durch die Luft auf die Bühne.

Auch wenn die fliegenden Büstenhalter und Höschen ausbleiben, an die Kraus im ersten Teil seiner fulminanten Show in möglicherweise leicht verklärter Schilderung erinnert: Der Konzertabend beim Hirsauer Klostersommer ist weit mehr als nur das Schwelgen in Erinnerungen. Kraus, daraus macht der Mittsiebziger während seines Auftritts keinen Hehl, singt gerne die Lieder, mit denen er einst zumindest im deutschprachigen Raum in die Fußstapfen der Rock-’n’-Roll-Legende Elvis Presley getreten ist. „Das ist einfach gute Musik“, ist Kraus überzeugt, der an diesem Abend einen bunten Strauß an Rock-’n’-Roll-Hits im Gepäck hat, der von „Blue Suede Shoes“ über „Viva Las Vegas“ bis hin zu „Diana“ oder „Rockin All Over The World“ reicht.

Seine 76 Jahre sind Kraus nicht anzumerken. Er rockt über die Bühne und lässt bei „Tiger“ regelrecht die Fetzen fliegen. Begleitet von seiner druckvoll aufspielenden Band sowie den Backvokalisten Sandy Wollasch, Christiane Eiben und Markus Gahlen sorgt Kraus für Begeisterung bei dem Publikum in der restlos ausverkauften Konzertarena. Denn nicht nur bei seinen Hüftschwüngen, die der in hautenge Jeans gekleidete Kraus regelmäßig vollführt, geraten die Besucher in Verzücken. Seine parodistische Seniorenversion von „Tiger“ im gemächlichen Dreivierteltakt kommt ebenso gut an wie seine Weisheiten à la „Was nützt der schönste Hüftschwung, wenn man ihn alleine machen muss“. Ein Abend, der den Besuchern sicher unvergessen bleibt.