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Musikdramaturgin Annika Hertwig führte als Erzählerin durch den „Sommertag“. Tenor Philipp Werner und Dirigent Yonatan Cohen (rechts) bei „The Circle Of Life“. Foto: Molnar
Musikdramaturgin Annika Hertwig führte als Erzählerin durch den „Sommertag“. Tenor Philipp Werner und Dirigent Yonatan Cohen (rechts) bei „The Circle Of Life“. Foto: Molnar
48 Fünft- bis Zwölftklässler stehen mit der Badischen Philharmonie auf der Bühne und überzeugen unter der Chorleitung von Anna-Katharina Kalmbach. Foto: Molnar
48 Fünft- bis Zwölftklässler stehen mit der Badischen Philharmonie auf der Bühne und überzeugen unter der Chorleitung von Anna-Katharina Kalmbach. Foto: Molnar
08.07.2019

So war das Kinderkonzert mit Philharmonie und Chören des Hebel-Gymnasiums

Pforzheim. Kinderkreischen, Eis, Fünf-Meter-Turm – klingt ganz nach Freibad. Und nach einem sorgenfreien Ferienauftakt, von dem Annika Hertwig auf der großen Bühne erzählt. „Ich nehme euch mit durch einen klingenden Sommertag“, sagt die Musikdramaturgin, die sich als roten Faden zu den Musikstücken eine Geschichte ausgedacht hat.

Ein Trommeln und Schnipsen

Es ist das zweite Kinderkonzert des Theaters in dieser Spielzeit – und das erste überhaupt, bei dem Kinder und Jugendliche mit der Badischen Philharmonie auf der Bühne stehen. 48 Schüler der Klassen fünf bis zwölf des Hebel-Gymnasiums Pforzheim treten in verschiedenen Chorformationen auf – und stecken mit ihrer Begeisterung förmlich an.

Doch von vorn: Da sind die Kids unter den Zuschauern, sie reiben sich die Hände, schnipsen und trommeln sich auf die Oberschenkel. Wie zur Vorfreude, könnte man meinen. Doch Anna-Katharina Kalmbach, Chorleiterin des Gymnasiums, will mit der gemeinsamen Bodypercussion ein Gewitter andeuten. Zieht ein solches doch spätestens bei dem Auszug aus Vivaldis „Sommer“ aus den „Vier Jahreszeiten“ musikalisch auf. Um es vorweg zu nehmen: Der Applaus danach fällt genauso stürmisch aus wie das virtuose Solo von Violinistin Maria Gawrilenko. Einfach fantastisch, wie zuckende Blitze und peitschender Regen in der Musik hörbar werden.

Umso sanfter erklingt zu Beginn des einstündigen Konzerts die „Morgenstimmung“ aus Griegs „Peer Gynt“-Suite, die die bunt gekleidete Philharmonie vor meterhohem Blumenschmuck präsentiert. Manche Musiker tragen Sonnenhüte und Sonnenbrillen. Die Leitung hat der lebhafte Yonatan Cohen, der besonders bei den dramatischen Steigerungen im dritten und vierten Satz aus Beethovens Sechster gestenreich fuchtelt und hüpft. Zwischendurch wechselt er ans Cembalo oder ans Klavier, wo er mit der 16-jährigen Julie Lehnert vierhändig „Am Donaustrande“ aus den Liebesliederwalzer op. 52 von Brahms begleitet. Den Gesangspart übernimmt der Kammerchor des Gymnasiums unter Kalmbachs Leitung, der zweigeteilt positioniert mit melodischer Harmonie besticht. „Die Blätter rauschen und über mir ziehen Wolken wie kleine Schiffchen vorüber“, sagt die Erzählerin mit träumerischer Stimme. Und leitet damit zu zwei ruhigen Stücken des Unterstufenchors über: dem französischen „Caresse sur l’océan“ aus „Les Chorites“ von Bruno Coulais und dem schwedischen Volkslied „Vem kann segla“. Ob sechsstimmig oder dreistimmig mit wechselnden Solisten – immer sind zarte, helle und wunderbar klare Stimmen zu hören. Blendend auch die älteren Schüler des Kammerchors, die den „Parkplatzregen“ von Oliver Gies in groovigem A-cappella singen und beim Mitklatschen das Publikum sofort mitreißen. Mit von der Partie ist dabei der Beatboxer Enes Sahin.

Zugabe heizt noch mal ein

Majestätische Trompeten, Bongos und Schlagzeug ertönen zum Sologesang von Philipp Werner, der den Disney-Filmhit „The Circle Of Life“ aus „König der Löwen“ auf Deutsch mit kraftvollem Tenor singt – und Dirigent Cohen klinkt sich ein. Mit Hilfe des Publikums und dem dreistimmigen Kanon „Sonne, Sonne scheine“ wird das Theater sinnbildlich zum Strahlen gebracht. Auch die Zugabe „Jetzt ist Sommer“ mit allen Beteiligten heizt noch mal ordentlich ein. So frisch klingt die heiße Jahreszeit – und ein Kinderkonzert mit Kindern.