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Claus Kuge mit Marx-Büste, Jörg Bruckschen und Regina Fischer. Foto: Frommer
Claus Kuge mit Marx-Büste, Jörg Bruckschen und Regina Fischer. Foto: Frommer
11.05.2018

Soiree „Verbotene Dichter, verbrannte Bücher“ in der Stadtbibliothek

Pforzheim. Erinnerung an die nationalsozialistischen Bücherverbrennungen: Nur drei Monate nach der Machtübernahme Adolf Hitlers wurden am 10. Mai 1933 die Werke von 94 deutsch- und 37 fremdsprachigen Autoren, Dichtern, Philosophen und Theoretikern angezündet.

„Die Idee stammte von der organisierten Deutschen Studentenschaft“, unterstrich Claus Kuge, Obermeister der Löblichen Singergesellschaft, am Mittwochabend in der Stadtbibliothek: „Sie wurde mit hohem Aufwand und großem Elan ausgeführt.“

„Kampfwoche gegen Schund“

Sowohl auf dem Opernplatz in Berlin, als auch in den Universitätsstädten Bonn, Braunschweig, Bremen, Breslau, Dresden, Frankfurt am Main, Göttingen, Greifswald, Hannover, Kiel, Königsberg, Marburg, München, Nürnberg, Rostock und Würzburg ging Gedrucktes in Flammen auf. Wenige Tage später brannten Bücher auf den Scheiterhaufen von Erlangen, Halle, Neustrelitz, Hamburg, Heidelberg, Köln, Kassel, Mannheim, Darmstadt und Mainz. Zeitversetzt, am 17. Juni 1933, inszenierten die Nazis in Pforzheim im Rahmen der „Kampfwoche gegen Schund und Schmutz in Baden“ eine Bücherverbrennung, bei der unter anderem die Werke von Marx, Kästner, Mann, Freud, Kerr, Ludwig, Remarque, Ossietzky und Tucholsky vernichtet wurden. Die neun „Feuersprüche“, zu denen die Bücher in die Flammen geworfen wurden, so Kuge, „waren zentral von der Studentenschaft vorgegeben worden“. Im Rahmen der gut besuchten Soiree „Verbotene Dichter, verbrannte Bücher“ erinnerten Kuge, die Kunsthistorikerin Regina Fischer und der Schauspieler Jörg Bruckschen mit Vorträgen und Lesungen an die Hintergründe der Gleichschaltung, an den Lebensweg der geächteten Autoren und an ihre Werke.

Die drei Vortragenden wechselten sich ab, Kuge übernahm den zeitgeschichtlichen Part des Jahres 1933, Fischer referierte zu Leben und Werk von Karl Marx und zum „Eisberg-Modell“ im Stil des Pulitzer- und Nobelpreisträgers Ernest Hemingway. Fischer erläuterte beispielsweise, dass Hemingway und Jack London nicht „in der ersten Runde der Bücherverbrennung verfemt“ wurden.

Jörg Bruckschen würdigte den 200. Geburtstag von Karl Marx und las ausgesuchte Passagen aus seinem Werk. Mit einer wuchtigen Textstelle aus Hemingways Klassiker „Wem die Stunde schlägt“ beschloss er die Lesung der Soiree.