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In der Feenwelt haben Oberon (Christopher Evans) und Titania (Anna Laudere) ihre Probleme miteinander.  Foto: Kiran West 
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Die Choreografie besticht durch viele atmosphärische Szenen. 
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„Sommernachtstraum“ beendet das John-Neumeier-Festival in Baden Baden

Baden-Baden. Mit wesentlich erweitertem Programmangebot waren das Hamburg Ballett und sein berühmter Leiter John Neumeier dieses Jahr nach Baden-Baden gekommen: Aus der Herbstresidenz, die seit 1998 stattfindet, soll in Abstimmung mit dem Intendanten des Festspielhauses, Benedikt Stampa, schrittweise ein Tanzfestival entstehen.

Mit im Gepäck hatte das Hamburg Ballett zwei von Neumeiers legendären Handlungsballetten, „Der Tod von Venedig“ und „Sommernachtstraum“, mit dem das Gastspiel nach drei umjubelten Aufführungen beendet wurde. Das Handlungsballett „Sommernachtstraum“ nach Shakespeare wurde 1977 uraufgeführt, kam seither mehr als 300 Mal auf die Bühne und war 2000 und 2012 bereits in Baden-Baden zu sehen.

Die Komödie spiegelt die Liebesirrungen und -wirrungen dreier Paare an einem Adelshof am Vorabend der Fürstenhochzeit in eine märchenhafte Feenwelt, wo alle Probleme schließlich eine Lösung erfahren. Das Handlungsballett erzählt die Geschichte durchgehend stimmig in farbenprächtigen, großen Tableaus vor eindrucksvollen Bühnenbildern. Kleine Geschichtchen und Anekdoten am Rande verleihen dem Ganzen reizvolle Lebendigkeit. Die Personen sind bis in die kleinste Nebenrolle liebevoll und glaubwürdig charakterisiert.

Ein besonderer Kunstgriff Neumeiers ist die Wahl verschiedener Musiken für die drei Welten, die aufeinanderprallen: Orchesterstücke von Felix Mendelssohn Bartholdy, schwerpunktmäßig aus dem gleichnamigen Sommernachtstraum, sind dem Hofleben, sozusagen der Realität zugeordnet. Sie wurden von der Philharmonie Baden-Baden unter Leitung von Markus Lehtinen einfühlsam interpretiert.

Die burlesken Szenen der Handwerker, die zu Ehren des Hochzeitspaares das schauerliche Theaterstück von „Pyramus und Thisbe“ einstudieren, konnten sich zu origineller Drehorgelmusik so richtig skurril entfalten.

Das Reich der Feen, dargestellt als kraftvolle Naturgeister, die das aller Konventionen entblößte Unbewusste symbolisieren, erhielt durch die eingespielten atmosphärischen Klangkaskaden mehrerer Orgelkompositionen von György Ligeti eine kühle und mystische, naturhafte Wirkung.

Neumeier zieht in seinem „Sommernachtstraum alle Register choreografischen Könnens. Am Hof klassischer Tanz vom Feinsten, mit eleganten Pas de deux und ans Artistische grenzenden Hebefiguren, Herrensoli mit weiten Sprungeinlagen, große, abwechslungsreiche Ensembleszenen; die Feenwelt, in der das Korsett ritualisierter Tanzgesten mit freieren Ausdrucksmöglichkeiten gesprengt wird; als Bindeglied ein Puck/Haushofmeister, der neben großer Ausdrucksstärke das Element des Humors stets präsent hält; und dann die Handwerker, die Tanzkunst auf höchstem Niveau parodieren.

Begeisterter Beifall, Jubel und stehende Ovationen waren der Dank für die großartigen Leistungen der Solistinnen und Solisten (in der Schlussaufführung Hélène Bouchet, Edvon Revazov, Alexandr Trusch, Xue Lin, Karen Azatyan, Madoka Sugai, Jacopo Bellussi, Christopher Evans) des vielköpfigen Ensembles und natürlich auch an John Neumeier, der wie stets im Saal anwesend war.