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Und nach über vier Stunden beschließt die Jazzkantine die Vorstellung.
Und nach über vier Stunden beschließt die Jazzkantine die Vorstellung.
Mit druckvollen Bläser-Arrangements macht die Blassportgruppe den Anfang. Fotos: Frommer
Mit druckvollen Bläser-Arrangements macht die Blassportgruppe den Anfang. Fotos: Frommer
Uli Keuler bringt das Osterfeld-Publikum zum Weinen – vor Lachen.
Uli Keuler bringt das Osterfeld-Publikum zum Weinen – vor Lachen.
Im rheinischen Dialekt zelebriert Konrad Beikircher italienische Lebensart.
Im rheinischen Dialekt zelebriert Konrad Beikircher italienische Lebensart.
05.08.2015

„Sommersprossen“ gehen mit „SWR1 lacht“ zu Ende.

Furioses Festival-Finale: Den Sommersprossen-Schlusspunkt setzte das schillernd bunte Musik- und Comedy-Potpourri „SWR 1 lacht“. Mit sieben grundverschiedenen Akteuren und Bands war Abwechslung und Kurzweil garantiert – dennoch erreichte die letzte Festival-Runde nicht die Zuschauerresonanz wie an den Tagen zuvor Nina Hagen, Willy Astor und Konstantin Wecker.

Besser als die Blassportgruppe um den charismatischen Sänger Patrick Kukwa konnte man die letzte Runde nicht einläuten. Die zehnköpfige Blechbläser-Formation im klassischen Drei-Streifen-Trainings-Outfit zeigte sich im großen Osterfeld-Saal von ihrer besten Seite: Dynamisch, kraftvoll und einfallsreich zelebrierte die Band mitreißend und humorvoll ihre druckvollen Titel wie „Feuerwerk“, „Green Hornet“ oder das rundfunkkritische „Sowieso“. Im Gegensatz zum Kölner Standup-Comedian Markus Barth, der gleich danach auftrat, gastierte die Blassportgruppe bereits mehrfach – laut und ungemein lustig – in Pforzheim.

Der 38-jährige Domstädter war vor seiner noch jungen Solo-Karriere Ideenlieferant und Gag-Schreiber für andere Künstler und TV-Formate wie „Ladykracher“ und „Die Heute-Show“. Auf der Osterfeld-Bühne wurde rasch klar, welche Qualität Markus Barths One-Man-Show von namensähnlichen Comedians meilenweit abhebt.

Alphorn und Milchpreis-Rap

Die Geschwister Well gastierten diesmal als gemischtes Sextett in der Goldstadt – und packten in ihre beiden jeweils 30-minütigen Sets so gut wie alles zwischen Alphorn, Bayern-Schelte und Milchpreis-Rap.

Der gebürtige Südtiroler Konrad Beikircher (69) entführte seine Zuhörer mit rheinischem Zungenschlag und dem italienischen Rocco Granata-Schlager „Marina“ geradewegs auf eine Zeitreise in die 1950er-Jahre: sympathisch, äußerst humorvoll, musikalisch gefällig und mit sicher gesetzten Pointen. Er darf im besten Sinne des Wortes zu den überraschenden Entdeckungen des diesjährigen Sommersprossen-Festivals gezählt werden.

Bestens bekannt in Pforzheim

Energetisches Spontankabarett inszenierte der Dampfplauderer Sascha Korf im Malersaal: Der 47-jährige Schauspieler und Improvisationskünstler überzeugte mit Tempo, unverwüstlichem Spielwitz und Flexibilität, bevor Uli Keuler auf die Bühne kam. Der inzwischen 62-jährige Mundart-Kabarettist aus Kirchheim ist in der Goldstadt bestens bekannt: Im Osterfeld brachte er sein Publikum einmal mehr dazu, Freudentränen zu lachen – beispielsweise mit seinem Sketch „Der alte Mann und das Meer“ – sehr frei nach der gleichnamigen Erzählung vobn Ernest Hemingway.

Gegen 22.15 Uhr beschloss das Gastspiel der Formation Jazzkantine im Innenhof des Kulturhauses das Festival. Leider bröckelten die Zuschauer angesichts der zunehmend späten Uhrzeit am Sonntagabend immer mehr ab – und so bleiben die Fragen, was gegen einen um zwei Stunden vorgezogenen Start des finalen Festivaltags gesprochen haben mag – und warum man das facettenreiche Programm nicht draußen begonnen und drinnen beendet hat.