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Der Pforzheimer Fotograf Günter Beck nutzt die seltene Gelegenheit, Carl Spitzwegs „Mineralogen“ abzulichten. Foto: Ketterl
Der Pforzheimer Fotograf Günter Beck nutzt die seltene Gelegenheit, Carl Spitzwegs „Mineralogen“ abzulichten. Foto: Ketterl
Richard Zieglers „Kartenleserin“ ist ebenfalls ausgestellt. Foto: Ketterl
Richard Zieglers „Kartenleserin“ ist ebenfalls ausgestellt. Foto: Ketterl
„Vera Icon“, Christi Antlitz, Öl auf Holz, Jörg Ratgeb (nach 1510). Foto: Ketterl
„Vera Icon“, Christi Antlitz, Öl auf Holz, Jörg Ratgeb (nach 1510). Foto: Ketterl
02.03.2018

Sonderausstellung „Juwelen der Pforzheim Galerie“ eröffnet am Freitag

Pforzheim. Pforzheim hat Erfahrung darin, mit Kulturprovisorien zu leben – Kunst hat hier immer wieder ihre eigenen Schlachten um Siege und Niederlagen geschlagen. Die Stadt und ihre Bürger haben dabei zunehmend die Erkenntnis gewonnen, dass Kunst und Kultur ein grundlegendes Element für das Leben und Zusammenleben sind und nicht zuletzt als weicher Standortfaktor hoch gehandelt werden. Weg vom Rand und hinein ins Zentrum heißt die Devise, die sich schon beim Theaterneubau bewährt hat. Jetzt soll mit der Pforzheim Galerie ein weiteres Kultur-Kleinod aus seinem Provisorium ins Herz der Stadt geholt werden.

Unterstützung für die Pläne gibt es unter anderem von Oberbürgermeister Peter Boch und Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler. Die Galerie selbst macht am Wochenende mit der dreitägigen Sonderausstellung „Juwelen der Pforzheim Galerie“ darauf aufmerksam, welche bedeutenden Exponate das Pforzheimer Kunstmuseum aufzuweisen hat. Sie zeigt damit gleichzeitig, dass ein zentraler Standort der Bedeutung der Galerie deutlich besser gerecht würde.

Mit neun herausragenden Werken aus der Sammlung locken die Stadt Pforzheim und der Freundes- und Förderkreis in die Ausstellungsräume im zweiten Stock des ehemaligen Kollmar & Jourdan-Gebäudes an der Bleichstraße. Kuratorin Regina M. Fischer, zugleich Vorsitzende des Vereins, spricht die Zielrichtung klar aus: „Wir wollen Pforzheim wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Stadt eine ganz erhebliche Kunstsammlung hat und damit unserer Idee, das Museum ins Zentrum zu verlegen, Nachdruck verleihen. Wir tragen eine Vision vor uns her.“

Der Freundes- und Förderkreis erhält dabei Unterstützung von OB Boch: „Wir wollen die Innenstadt in den kommenden Jahren deutlich beleben. Eine städtische Galerie an zentraler Stelle könnte dabei einen entscheidenden Beitrag leisten. Wenn wir also eine Chance haben, Kunst direkt in die City zu holen, dann sollten wir diese auch nutzen.“ Die Ausstellung zeige, dass die Stadt über beeindruckende Kunstwerke in der Stadt verfüge. „Diese verdienen es, von möglichst vielen Menschen gesehen zu werden. Die Lage eines Museums spielt dabei eine wichtige Rolle“, so Boch.

Belegt wird die Bedeutung der Sammlung in dieser Ausstellung durch neun Exponate – allen voran Carl Spitzwegs „Mineraloge“, der als eines der ganz wenigen Kunstwerke den 23. Februar 1945 unbeschadet überstanden hat und eine besondere Rolle beim Neuaufbau der Sammlung spielte. Ebenfalls gezeigt wird Jörg Ratgebs „Christusantlitz“, Richard Zieglers „Kartenlegerin“, Emil Dittlers „Melusine“, zwei Landschaften von Ludwig Kaaz und Ludwig Frommel, das um 1580 datierte „Bildnis der Elisabeth Hos“ eines unbekannten Meisters, HAP Grieshabers „Sturm der Frauen auf das Pforzheimer Rathaus“ und als Neuankauf eine Stele von Abraham David Christian aus der international beachteten Ausstellung „Silva nigra“ 2016.

Christians kleine Skulptur kann dabei als Fingerzeig gelten, wie die Galerie sich künftig mit Blick auf einen neuen Standort ausrichten möchte. „Wir wollen“, sagt Fischer, „unser kulturelles Profil schärfen und noch ambitionierter werden“. Neue Kunst könnte dabei stärker als bisher in den Fokus rücken, der auf die Region gerichtete Blick sich weiten. „Das eine tun, ohne das andere zu lassen“, gibt Fischer dem regionalen Bezug auch in einer neuen Konzeption genügend Raum. „Kunst ist heute nichts eindeutig Regionales mehr.“ Neue Räume im Zentrum würden mit mehr Besucherfrequenz sowie besseren Ausstellungs- und Lagerungsbedingungen, wie zum Beispiel Klimatisierung, punkten – fast schon Garanten dafür, dass höherwertige Leihgaben ihren Weg nach Pforzheim finden. Ganz nebenbei könnte ein attraktiver, überregional beachteter Kunsttreff im Zentrum die Innenstadt erheblich stärken. Und: Sie wäre ein Pluspunkt in der Diskussion um die Kulturhauptstadt. Eine Podiumsdiskussion heute Abend – unter anderem mit der Direktorin des Landesmuseums Stuttgart, Cornelia Ewigleben – ruft zum Meinungsaustausch auf.

Fischer sieht angesichts einer ganzen Riege bedeutender Unterstützer eine reelle Chance für eine Realisierung des Standortwechsels und zur Einmietung in ein Investorenprojekt oder einen geeigneten Leerstand. Zumal der Verein, dessen rühriger Ehrenvorsitzender Joachim Rösch das Vorhaben engagiert unterstützt („Die zentrale Lage hat auch zentrale Bedeutung“), bisher die Kosten getragen hat und Umzug und Neueinrichtung mit eigenen Mitteln und Sponsorengeldern finanzieren möchte: „Wir stellen uns nicht vor, dass die Stadt das stemmt. Wir haben Signale, dass Menschen unser Vorhaben nicht nur durch Worte, sondern auch durch Taten unterstützen werden.“