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Beeindruckender Auftritt: die Bigband des Hebel-Gymnasiums unter der Leitung von Musikpädagoge Joachim Balz. Foto: Moritz

Souverän, spielfreudig, mitreißend: Bigband-Konzert von Hebel-Gymnasium und SWR

Pforzheim. Wie sich das anhört, wenn talentierte und engagierte junge Menschen Jazz-Musik spielen, die zu einem großen Teil von Improvisation lebt. Was Profis mit jahrzehntelanger Erfahrung draufsetzen können. Das Potenzial, das bei den Jungen deutlich zu erkennen, aber noch weiterzubilden ist – dieses beeindruckende Erlebnis hatte man beim Bigband-Konzert von Hebel-Gymnasium und SWR im voll besetzten Stadttheater.

Zum Auftakt strömte die Bläserformation des Unterstufenorchesters in großer Zahl auf die Bühne. Umso staunenswerter, wie harmonisch die Kinder miteinander musizieren, wie sie ihre Instrumente beherrschen, bereits Dynamik und Tempi einzusetzen verstehen und auch keine Hemmungen vor Solospiel haben. Das spricht für Begabung und Fleiß, aber auch für eine motivierende und inspirierende Anleitung, die Musikpädagoge Joachim Balz, der die Orchester leitete, und seine Kolleginnen und Kollegen am Musikzug des Hebel-Gymnasiums offensichtlich vermitteln können.

Nach dem vielversprechenden Auftakt kam die Bigband des Hebel-Gymnasiums auf die Bühne, knapp 25 Jugendliche – in der Rhythmusgruppe zum Teil in wechselnder Besetzung – knapp die Hälfte davon junge Mädchen. Das recht anspruchsvolle Programm, darunter zwei rhythmisch schwierige Titel von Gordon Goodwin, interpretierte die junge Band gekonnt und souverän. Herausragend unter zahlreichen Solisten Jakob Bänsch an der Trompete und am Flügelhorn. Ein Gesangs- und Showtalent Enes Sahin mit erstaunlicher Stimmfülle und dem Talent zum Flirt mit dem hingerissenen Publikum. Camilla Höfler betörte mit einem noch mädchenhaft zarten, aber in der Stimmführung sehr sicheren Sopran mit glasklarer Höhe.

Eltern, Verwandte und Freunde der jungen Musiker, die sicher einen großen Teil der Besucher stellten, waren zu recht begeistert und zeigten das auch deutlich. Nach der Pause kam sie auf die Bühne, die legendäre SWR-Bigband unter Leitung des liebenswürdigen Pierre Paquette, mit einem Programm, das sich den „Kings of Swing“, den Jazz-Klassikern widmete. Die 17 Herren sind alle im gesetzteren Alter, zeigten aber, dass dies für Jazz eher von Vorteil ist, denn hier zählt auch die genaue Kenntnis der Instrumente und der Melodiebögen, die in zahllosen Solo-Improvisationen variiert werden, wovon jede eine eigene kleine Geschichte erzählt.

Hier kam nahezu jeder Mitwirkende zum Zug, alle übernahmen außerdem Gesangsparts. Manche spielten mehrere Instrumente – darunter auch nicht so häufig zu hörende wie Bariton-Saxofon oder Bass-Posaune. Die Routiniers brachte weder ein Notendurcheinander aus der Fassung, noch hielten sie ihre anspruchsvollen Parts von humoristischen Einlagen ab.

Paquette, ein bekannter US-Jazzmusiker, hätte es nicht zu betonen brauchen: Die SWR-Bigband hat großen Spaß miteinander und an ihrer Musik. Den vermittelte sie auch dem Publikum, das nach kurzer Zeit aus dem Häuschen war. Ein bisschen eingefangen wurde die überbordende Stimmung von der Jazz-Sängerin Fola Dada mit ihrer leichten, modulationsfähigen Stimme mit warmem kernigen Ansatz. Sie steht am Beginn einer großen Karriere in Europa, wie Paquette berichtete.

Nach minutenlangen Standing Ovations, Begeisterungsrufen, drei Zugaben und insgesamt drei Stunden Dauer war er dann vorüber, der Bigband-Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.