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Die Badische Philharmonie hatte einen Abend in Pforzheimer Theater ganz der Filmmusik gewidmet. Foto: Keller
Die Badische Philharmonie hatte einen Abend in Pforzheimer Theater ganz der Filmmusik gewidmet. Foto: Keller
15.05.2017

„Space Odyssee“: Reise in die Musik des Science Fiction auf der Bühne

Mit elektronischem Fiepsen, Pfeifen und Gurren vom Band werden die Besucher des Pforzheimer Theaters empfangen und schon mal auf den weiteren Fortgang des sphärischen musikalischen Abends eingestimmt. Wenngleich im folgenden die Badische Philharmonie im wahrsten Sinne des Wortes dann natürlich ganz klassische Film-Klangwelten entstehen lässt.

Und das vor einem Publikum, wie es sich jeder Intendant in leidgeplagten Theaterzeiten nur wünschen kann: Von 12 bis 25 Jahre dürfte ein beträchtlicher Teil der Besucher gerade mal auf dem Buckel haben. Wen wundert’s: In Szene gesetzt ist die ungewöhnliche Aufführung mit der Kombination von Orchester und Filmeinspielungen von Theaterpädagoge Christoph Traxel, der sich vorwiegend mit Musiktheater beschäftigt. Die Blutauffrischung bei den Theater-Besuchern ist zumindest an diesem Abend schon mal geglückt. Man fragt sich nur, warum solche Abende nicht auch in der angebotenen Jugendmiete des Pforzheimer Theaters ihren Platz finden. Maskenbewehrt betritt das Orchester die Bühne mit ihrem Sternenhintergrund und startet denn auch gleich mit einem der Klassiker des ScienceFiction-Genres durch: A Space Odyssee – deutscher Titel 2001: Odyssee im Weltraum – von Regisseur Stanley Kubrick aus dem Jahre 1968. „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss, die klanggewaltige sinfonische Dichtung wirkt ein wenig dünn im nicht gerade üppig besetzten Orchester unter Leitung von Tobias Leppert. Doch in Kombination mit den bekannten Filmszenen entfaltet das Szenario dann immer besser seine Wirkung, wenngleich die Rückwand einer Theaterbühne natürlich nicht der faszinierende Illusion eines technischen perfekt ausgestatteten (dunklen) Kinos ersetzen kann. Nach den ersten Star-Wars-Stück – das Erwachen der Macht und Star Trek through the year – wird ein weiteres Stück aus Space Odyssee zu hören sein: „An der schönen Blauen Donau“ von Johann Strauss: Wie hier Planeten und Raumschiffe ihr Tänzchen vollführen: sicher einer der ganz großen Momente eines harmonischen Miteinanders von Film und Musik, der auch auf der Pforzheimer Theaterbühne sein Faszinosum entfaltet.

Skurril, extravagant dann die Ausschnitte aus „das fünfte Element“ und der „Wahnsinnsarie“ aus der Donizetti-Oper Lucia di Lammermoor. Franziska Tiedtke im Fantasie-Raumfahrer-Outfit – sie ist auch in der Pforzheimer Inszenierung der Oper mit von der Partie – wusste hier mit einer angenehm runden und farbigen Stimme zu überzeugen. Eine kurze Lasershow tut ihr Übriges, um für brandenden Applaus zu sorgen.

Die drauf folgende Musik zu Apollo 13 besticht mit schönem Blech, das angenehm ruhige und zurückhaltende Trompetensolo von David Sasowski setzt einen weiteren kleinen musikalischen Glanzpunkt.

Die Star-Wars-Suite bildet den zweiten musikalischen Schwerpunkt der eineinviertelstündigen Aufführung. Filmausschnitte und Musik sind gekonnt zueinander gesetzt, wenngleich man sich gelegentlich, dem fehlenden Filmton geschuldet, in einer Stummfilm-Aufführung wähnt.

Ein überaus gelungener kurzweiliger, musikalischer Paket über Altersgrenzen hinweg wurde hier geschnürt, das in stürmischem Applaus samt zweier Zugaben seine Würdigung fand.