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Höhepunkt im Herbst 2017: In der Ausstellung „Cézanne. Metamorphosen“ zeigt die Kunsthalle zahlreiche hochrangige Leihgaben aus internationalen Sammlungen sowie Werke aus der eigenen Sammlung, wie Paul Cézannes Bild „Blick auf das Meer bei L'Estaque“ (1883-85).
Höhepunkt im Herbst 2017: In der Ausstellung „Cézanne. Metamorphosen“ zeigt die Kunsthalle zahlreiche hochrangige Leihgaben aus internationalen Sammlungen sowie Werke aus der eigenen Sammlung, wie Paul Cézannes Bild „Blick auf das Meer bei L'Estaque“ (1883-85). © Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
05.09.2016

Spannendes Programm für 2017 in der Kunsthalle Karlsruhe geplant

Karlsruhe. Anknüpfend an einen großen Publikumserfolg aus dem Jahr 2013 – die Porträt-Ausstellung Unter vier Augen – zeigt die Kunsthalle 2017 "Unter freiem Himmel", eine Auswahl von mehr als 50 Spitzenwerken der Landschaftsmalerei aus ihrer eigenen Sammlung.

„Unter freiem Himmel“ wird den Blick und die Horizonte in der Auseinandersetzung mit Natur vielfältig und exemplarisch erweitern – durch ein breites Spektrum subjektiver und disziplinärer Perspektiven und literarischer Formen: Rund 50 bedeutende deutschsprachige Schriftsteller, Intellektuelle, Kunstund Naturwissenschaftler setzen sich mit ebenso vielen Gemälden aus sieben Jahrhunderten auseinander. Ihre Texte werden in der Ausstellung zu hören sein. Der Betrachter wird Landschafts- und Imaginationsräume durchstreifen, in denen es um Formen menschlichen Lebens und Empfindens, um Urkräfte der Natur oder paradiesische Verheißungen geht. Die reiche Sammlung der Kunsthalle bietet die Möglichkeit, sich mit den unterschiedlichsten Topographien (Meer, Gebirge, Flusslandschaft, Ebene, Wald, Wüste) zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten, mit Natur-, Kultur-, Welt- oder Seelenlandschaften verschiedenster Epochen zu befassen – vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Zu sehen sind Werke u.a. von Joachim Patinir, Claude Lorrain, Caspar David Friedrich, Gustave Courbet, Paul Cézanne, Franz Marc, Paul Klee, René Magritte und Max Ernst. Zu den Autoren zählen Anita Albus, Nora Bossong, Jenny Erpenbeck, Cornelia Funke, Peter Härtling, Brigitte Kronauer, Friederike Mayröcker, Katja Lange-Müller, Gertrud Leutenegger, Marion Poschmann, Kathrin Schmidt, Marlene Streeruwitz, Ulrich Raulff und Jan Wagner. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Begleitprogramm mit Lesungen, Diskussionen und Schreib-Workshops begleitet.

Cornelia Funke ist eine der bekanntesten, weltweit gelesenen deutschen Kinderbuchautorinnen. Ihre Illustrationen zu ihren Geschichten sind prädestiniert, in der Jungen Kunsthalle näher beleuchtet zu werden. In ihren hinreißend gestalteten Bildern begeistern niedliche Kobolde, schalkhafte Geister, dunkle Feen und pfiffige Drachen oder auch tapfere Mädchen und neugierige Buben. Die Geschichten Cornelia Funkes sind so inspirierend, dass sich sofort Bilder im Kopf einstellen. In welchem Verhältnis stehen Bild und Text zueinander? Kann die Zeichnung oder das Gemälde auch vor dem Text und der Geschichte entstehen, sie vielleicht sogar beeinflussen? Das sind nur einige wenige Fragen, denen die Ausstellung nachgehen wird.

Gezeigt werden Skizzenbücher der Autorin und Original-Illustrationen aus ausgewählten Werken wie „Die große Drachensuche“ (1988), „Kein Keks für Kobolde“ (1989), „Lilli und Flosse“ (1990), „Drachenreiter“ (1997), „Herr der Diebe“ (2000), der Tintenwelt-Trilogie (2003/2005) sowie aus der Reckless-Reihe (2010/15).

Die Bilder spiegeln sich in der Ausstellung auch in einer inspirierenden „Erlebniswelt“. So kann man zum Beispiel in einem Drachenlabor unterschiedlichste Drachen erforschen, durchaus auch solche, die sich in der Sammlung der Staatlichen Kunsthalle befinden – wie die von Albrecht Dürer oder Friedrich Herlin. Drachen können zudem selbst gestaltet werden – als Zeichnung, Bild, Plastik oder Collage wie auch im Geschichtenerzählen und -schreiben. Überall warten Hör- und Lesestationen, Mitmachspiele und Anregungen, forschend tätig zu werden. Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung.

Als Höhepunkt im Herbst/Winterprogramm 2017/18 steht die Ausstellung CÉZANNE. Metamorphosen, eine Große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg, auf dem Programm. Das Projekt schließt an die zahlreichen, international beachteten Ausstellungen des Museums zur französischen Kunst, wie Eugène Delacroix, Corot – Natur und Traum sowie Degas – Klassik und Experiment, an.

Paul Cézanne (1839–1906) hat als Maler, Zeichner und Aquarellist ein überaus facettenreiches Werk geschaffen. Aufgrund seiner Tendenz zur Abstraktion der Bildelemente gilt er als wichtiger Wegbereiter der Moderne; er selbst hatte jedoch den Anspruch, die Malerei auf der Grundlage der klassischen Kunst zu erneuern. Cézanne suchte das Geheimnis und das Wesen der ihn umgebenden Welt einzufangen, Phänomene, die sich ihm als stete Metamorphose der sinnlichen Erscheinungen darboten. Die Grundidee der Ausstellung ist es daher, sich Cézannes Kunst unter dem Blickwinkel des Prozesshaften, der steten Wandlungen und Übergänge von einer in die andere Form zu nähern, um einen ganzheitlichen Deutungsansatz für sein Werk zu entwickeln. Ein zentrales Anliegen der Ausstellung ist das Durchbrechen der üblicherweise nach Bildgattungen geordneten Präsentation, um Wechselwirkungen zwischen Figurenbildern und Stillleben, Stillleben und Landschaften sowie zwischen Landschaften und Porträts aufzuzeigen. Im Hintergrund steht die kuratorische These, dass Cézannes Werkphasen und Motive durch eine innere Einheit miteinander verbunden sind, die sich einer starren Kategorisierung widersetzt. Zahlreiche hochrangige Leihgaben aus internationalen Sammlungen werden in Karlsruhe zu sehen sein, darunter Werke aus dem Museum of Modern Art in New York, dem Musée d’Orsay in Paris, dem Puschkin Museum in Moskau sowie dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid.

Spezielle Angebotspakete für Gruppenreisen und Frühbucherrabatte unter: www.kunsthalle-karlsruhe.de/de/ausstellungen/vorschau/vorschaucezanne.html

Das Begleitprojekt in der Jungen Kunsthalle vertieft für ein junges Publikum den Besuch der Ausstellung CÉZANNE. Metamorphosen. Die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Bildgattungen Stillleben, Landschaft und Figurenbild können hier anschaulich nachvollzogen werden. Cézanne hatte eine besondere Vorliebe für doppeldeutig lesbare Strukturen und das Vertauschen der materiellen Beschaffenheit von Objekten. Festes wird flüssig dargestellt, Flüssiges erstarrt zu einer festen Masse. Die eigentliche Konsistenz des Objekts tritt in den Hintergrund oder wird bewusst aufgelöst und verwandelt. Handtücher können an die geologischen Schichten eines Steinbruchs erinnern, Blattwerk kann als kristalline Struktur erscheinen, die nicht vom Motiv gelöst oder abstrakt wird. Auf diese Weise verunsichert Cézanne die Wahrnehmung des Betrachters und stellt unser Auge auf die Probe. Cézannes Auge möchte durch spielerisches Experimentieren einen vertieften Einblick in die auf Verwandlung und Metamorphose angelegte Denk- und Arbeitsweise des Künstlers geben. Die Begleitausstellung in der Jungen Kunsthalle vermittelt Besuchern aller Altersklassen anschaulich diesen zentralen Charakterzug seines Werkes und wirft zugleich einen Blick auf die humorvollen Aspekte in Cézannes Schaffen.