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Zwei abstrakte Gemälde und eine Fotografie (links) von Ingeborg van Loock. Foto: Volz
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Skulptur von Hate Hirlinger, in der Corten- und Spiegelstahl kombiniert sind. Foto: Volz

Spannungsreiche Interaktion: Ausstellung „Spiegel Bilder“ in der Galerie Brötzinger Art

Pforzheim. Kontrastierende Kunstrichtungen ergänzen sich auf reizvolle Weise in der Ausstellung „Spiegel Bilder“, die am Freitag in der Galerie Brötzinger Art eröffnet wurde und bis 10. März zu sehen ist. Konstruktive Metallobjekte von Hate Hirlinger sowie informelle Malerei und Fotografie von Ingeborg van Loock beschäftigen sich mit Spiegelungen – und treten in spannungsreiche Interaktion.

Der in Stuttgart lebende Kommunikationswissenschaftler, Typograf und Grafikdesigner Hate Hirlinger wurde erst im Ruhestand zum Stahlbildhauer. Sein Thema ist die konstruktivistische Auseinandersetzung mit Stahlblech. Grundformen wie Kreise, Rechtecke und Quadrate schneidet er mit der Blechschere auf, biegt sie in den Raum, faltet sie origamihaft und verarbeitet sie als Reliefs oder Skulpturen.

Hochglänzend polierte und matte Oberflächen kontrastieren in derselben Arbeit. Besonders interessant ist die gleichzeitige Verwendung von rauem Corten- und glänzendem Spiegelstahl. Die Arbeiten gewinnen Dreidimensionalität und beziehen durch die Spiegelungen der blanken Oberflächen ihre Umgebung mit ein. So werden in der Ausstellung die Bilder von Ingeborg van Loock optisch Bestandteil der Metallobjekte.

Ingeborg van Loock, die in Hochdorf bei Plochingen lebt, hat eine Ausbildung in Aquarell- und experimenteller Malerei und beschäftigt sich – ausgehend von Landschaftsmotiven – mit abstrakter Malerei, die sie selbst wegen ihres spontanen Malduktus’ als dem Informel verwandt sieht. Obwohl man Küstenlinien, Wasserwirbel, Gischt und spiegelnde Flächen zu erkennen glaubt, bleiben die Bildmotive im Ungewissen, haben etwas Schwebendes, Flirrendes, Wässrig-Flüssiges. Auf der Palette herrschen Blautöne in allen Schattierungen vor, abgesetzt mit Grau, Weiß und Pink, auch eine kräftig rote Arbeit ist zu sehen.Die Künstlerin arbeitet mit Pinsel und Spachtel in vielen Schichten, in die Farbe wird gelegentlich Sand gemischt, was das Flüchtige des Dargestellten erdet.

Ihre fotografischen Arbeiten sind vom selben malerischen Ausdruck geprägt wie ihre Gemälde. Selten ist ein Motiv erkennbar, erfasst sind Nachtfarben, von Leuchtschriften oder grellen Lichtern unterbrochen. Ungewöhnlich, aber ästhetisch überzeugend die kombinierte Hängung von Gemälden und Fotografien, von mittleren und kleinen Formaten, die Schaffung von Wandgestaltungen mit Bildern.

Hate Hirlinger und Ingeborg van Loock verzichten auf Bildtitel und überlassen es dem Betrachter, ihre Arbeiten zu interpretieren. Die vielfältigen Spiegelungen geben dafür breiten Raum.

Die Schau in der Galerie Brötzinger Art, Brunnenstraße 14 , Pforzheim-Brötzingen, dauert bis 10. März. www.galerie-broetzinger-art.de